Klimaziele ohne Fahrzeugstandards: Marokko hat keine verbindlichen Effizienzvorgaben für Autos

Dacia Sandero Stepway von hinten (Symbolbild)
Foto: Alexander Migl, Lizenz CC BY-SA 4.0, Quelle: Wikimedia Commons

Marokko hat trotz ehrgeiziger Klimaziele bislang keine verbindlichen Effizienzvorgaben für Fahrzeuge eingeführt. Das geht aus einer Bestandsaufnahme hervor, die am 28. September 2026 im Rahmen des Projekts IMPROVE veröffentlicht wurde. Das Projekt wird von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) umgesetzt und über die Internationale Klimaschutzinitiative des deutschen Bundesumweltministeriums finanziert. Partner sind unter anderem das marokkanische Verkehrs- und Logistikministerium sowie die Straßenverkehrsagentur NARSA.

Keine Verbrauchsstandards, keine CO₂-Grenzwerte

Laut der Analyse gibt es in Marokko weder verbindliche Kraftstoffverbrauchsstandards noch eine Verbrauchskennzeichnung für Neuwagen. Auch CO₂-Grenzwerte für Pkw, eine Quote für emissionsfreie Fahrzeuge, ein Bonus-Malus-System sowie Kaufprämien für Elektro- und Hybridfahrzeuge fehlen. Bestehende Instrumente sind begrenzt: Eine Abwrackprämie gilt nur für Taxis, das Importverbot für Gebrauchtwagen, die älter als fünf Jahre sind, kennt zahlreiche Ausnahmen. Elektro- und Hybridfahrzeuge profitieren immerhin von einem reduzierten Importzoll von 2,5 statt 17,5 Prozent sowie von Steuerbefreiungen.

Verkehr als wachsende Emissionsquelle

Der Verkehrssektor verursachte 2023 rund 28 Prozent der marokkanischen CO₂-Emissionen und macht 36 Prozent des Endenergieverbrauchs aus. Der Straßenverkehr allein stand 2022 für 17,5 Prozent der Gesamtemissionen, wobei Personenwagen etwa 51 Prozent der Treibhausgase des Landverkehrs erzeugten. Der Fahrzeugbestand wuchs von 2,68 Millionen (2015) auf 4,47 Millionen (2023), im Schnitt um 6,5 Prozent pro Jahr. Die Motorisierungsrate stieg von 55 auf 88 Fahrzeuge je 1.000 Einwohner; ein Pkw ist im Schnitt 13 Jahre alt. Über 99 Prozent der Energie im Verkehr stammen weiterhin aus Erdöl.

Zugleich hat sich Marokko im Klimaplan (NDC) von 2025 verpflichtet, die Emissionen bis 2035 um 53 Prozent zu senken – wobei dieses Ziel an internationale Unterstützung geknüpft ist; unabhängig davon sind 21,6 Prozent vorgesehen. Auf den Verkehr entfallen dabei rund 9 Prozent der Anstrengung, das entspricht 7,48 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalent im Zeitraum 2026 bis 2035.

Autoindustrie als Gegengewicht

Die Regulierungslücke steht im Kontrast zur Bedeutung der Branche: Die Automobilindustrie steuert 23 Prozent der industriellen Wertschöpfung bei und sichert 280.000 Arbeitsplätze. 2025 exportierte sie Waren im Wert von 154,49 Milliarden Dirham (rund 15,45 Milliarden US-Dollar), ein Drittel aller Ausfuhren. Mehr als 500.000 Fahrzeuge wurden produziert; bis 2030 sollen es zwei Millionen sein. Die Kapazität für Elektrofahrzeuge liegt bei 100.000 Einheiten und soll ab Ende 2026 auf 400.000 bis 500.000 wachsen.

Die Autoren empfehlen unter anderem ein System zur Erfassung von Fahrzeug- und Verbrauchsdaten, ein Bonus-Malus-Modell, CO₂-Standards für neue Pkw und Transporter, eine Effizienzkennzeichnung und den Ausbau der Ladeinfrastruktur. Das Verkehrsministerium hat laut Bericht öffentlich seine Absicht erklärt, ein Bonus-Malus-System einzuführen; der Erfolg hänge jedoch von der Abstimmung mit dem Wirtschafts- und Finanzministerium ab.

Quellen: Morocco World News

Nach oben scrollen