
Marokkos Zentralbank Bank Al-Maghrib (BAM) hat ihre Wachstumsprognose für die heimische Wirtschaft nach unten korrigiert. Bei der dritten Ratssitzung des laufenden Jahres in Rabat am 22. September bezifferte die Notenbank das erwartete Wirtschaftswachstum für 2026 auf 4,4 Prozent – nach 4,9 Prozent im Vorjahr. Für 2027 rechnet BAM mit einem noch deutlicheren Rückgang auf nur noch 2,9 Prozent. Gleichzeitig beließ der Rat den Leitzins unverändert bei 2,25 Prozent.
Landwirtschaft stützt, Industrie bremst
Hinter der Gesamtzahl verbirgt sich ein zweigeteiltes Bild: Die Landwirtschaft dürfte 2026 um rund 16 Prozent zulegen, gestützt auf eine geschätzte Getreideernte von 93 Millionen Doppelzentnern. Die nicht-landwirtschaftlichen Sektoren verlieren dagegen spürbar an Schwung – ihr Wachstum verlangsamt sich von 4,5 Prozent im Jahr 2025 auf voraussichtlich 3,1 Prozent in diesem Jahr. Als Belastungsfaktoren nennt die Notenbank vor allem Schwierigkeiten im Bergbau und in der verarbeitenden Industrie. Die neue Prognose liegt damit deutlich unter der Regierungserwartung von 5,3 Prozent, die Wirtschafts- und Finanzministerin Nadia Fettah im Sommer bei einer Sitzung des Regierungsrats genannt hatte, und auch unter der Einschätzung der Ratingagentur Fitch, die zuletzt von 4,0 Prozent ausgegangen war.
Inflation bleibt niedrig, Leitzins unangetastet
Die Entscheidung, den Leitzins bei 2,25 Prozent zu belassen, begründete der BAM-Rat mit der erwarteten Konsolidierung der mittelfristigen Inflation auf moderatem Niveau sowie einer erwarteten Stabilisierung der nicht-landwirtschaftlichen Wirtschaftstätigkeit. Für die Teuerung rechnet die Notenbank 2026 mit lediglich 0,7 Prozent, 2027 mit 1,5 Prozent. Die Kerninflation soll dabei von minus 0,2 Prozent in diesem Jahr auf 2,2 Prozent im kommenden Jahr steigen. Beim Dirham-Wechselkurs erwartet BAM einen Rückgang des real-effektiven Kurses um 4,1 Prozent 2026 und weitere 2 Prozent 2027.
Devisenreserven wachsen weiter
Trotz der gedämpften Wachstumsaussichten bleiben die Währungsreserven robust: Bis Ende 2026 sollen sie auf 502,8 Milliarden Dirham steigen, Ende 2027 auf 515,3 Milliarden Dirham – ein Polster, das laut Notenbank rund 5,5 Monatsimporten entspricht. Die Prognose fällt in eine Phase, in der Marokko einen Tag vor den Parlamentswahlen steht und mehrere Parteien im Wahlkampf mit Versprechen zu Löhnen, Beschäftigung und Kaufkraft um Stimmen werben. Die schwächeren Wachstumszahlen dürften der künftigen Regierung bei der Umsetzung dieser Vorhaben zusätzlichen Spielraum kosten.
Quellen: Hespress English, Hespress English


