Marokko und Mauretanien haben am Montag in Rabat ein Rahmenabkommen zur Sanierung und Verbreiterung der Straßenverbindung zwischen dem Grenzübergang El Guerguerat und der mauretanischen Hauptstadt Nouakchott unterzeichnet. Unterzeichnet wurde das Abkommen von Marokkos Ausrüstungs- und Wasserminister Nizar Baraka und seinem mauretanischen Amtskollegen für Ausrüstung und Transport, Ely Ould El Veirik. Betroffen ist die mauretanische Nationalstraße RN4, die über den Grenzposten Kilometer 55 die Wirtschaftsmetropole Nouadhibou mit der Hauptstadt Nouakchott verbindet – eine Strecke von rund 480 Kilometern.
480 Kilometer Rahmenabkommen mit Fokus auf Klimaresilienz
Das Abkommen sieht neben der eigentlichen Fahrbahnverbreiterung auch die Einrichtung eines gemeinsamen Studienbüros in Mauretanien vor, das die Umsetzung des Projekts begleiten soll. Nach Angaben des mauretanischen Ausrüstungsministeriums liegt ein Schwerpunkt auf Anpassung an den Klimawandel sowie auf technischen Standards und dem Austausch von Fachwissen zwischen beiden Ländern. Konkrete Angaben zu Investitionssumme oder Bauzeitplan machten beide Seiten bislang nicht. Das mauretanische Ministerium erklärte, die Vereinbarung spiegle „die strategische Kooperation und die engen bilateralen Beziehungen“ beider Länder wider und gehe auf Weisungen von König Mohammed VI. und Präsident Mohamed Ould Cheikh El Ghazouani zurück.
Diplomatisches Signal: Mauretanien bestätigt Legitimität der Route
Über die reine Infrastrukturmaßnahme hinaus hat das Abkommen laut marokkanischen Beobachtern auch diplomatisches Gewicht. Indem Mauretanien offiziell eine gemeinsame Straßenplanung über den Grenzposten El Guerguerat vereinbart, bestätigt Nouakchott nach dieser Lesart faktisch die Rechtmäßigkeit dieses Übergangs – ein Punkt, an dem Algerien in der Vergangenheit wiederholt Zweifel an einer mauretanischen Anerkennung geäußert hatte. El Guerguerat liegt im äußersten Südwesten der von Marokko verwalteten Westsahara nahe der mauretanischen Grenze und ist die einzige direkte Straßenverbindung zwischen Marokko und Subsahara-Afrika.
Baustein eines größeren Korridors bis Dakar
Die Vereinbarung reiht sich in Marokkos „Atlantische Initiative“ ein, mit der Rabat den Sahel-Staaten einen direkten Zugang zum Atlantik über marokkanisches Territorium verschaffen will, unter anderem über den im Bau befindlichen Tiefseehafen Dakhla Atlantique. Mit der Sanierung der Strecke Nouakchott–Nouadhibou entstünde ein durchgehender Landkorridor von Tanger im Norden bis nach Dakar im Senegal, der den Warenverkehr zwischen Nord- und Westafrika erleichtern soll. Erst Ende letzter Woche hatten marokkanische Transportunternehmer noch über tagelange Lkw-Staus am Grenzübergang Rosso zwischen Mauretanien und Senegal geklagt – ein Hinweis darauf, wie ausbaufähig die Logistikkette auf der Route bislang ist.


