FIFA in der Krise: Bot Infantino Marokko das WM-Finale 2030 als Gegenleistung an?

Die FIFA steckt in der schwersten Führungskrise ihrer jüngeren Geschichte – und Marokko steht plötzlich im Zentrum des Machtkampfs. Nach Berichten der britischen Zeitung „The Times“ soll FIFA-Präsident Gianni Infantino dem Königreich das Finale der Weltmeisterschaft 2030 in Aussicht gestellt haben, um sich im Gegenzug die politische Unterstützung des marokkanischen Verbands für seine Wiederwahl 2027 zu sichern. Der Verband und die FIFA dementieren, doch die Vorwürfe fügen sich in eine Woche ein, in der sich mehrere Kontinentalverbände offen gegen Infantino gestellt haben.

Ein Milliardenplan sorgt für den Bruch

Auslöser der Krise war ein Vorstoß Infantinos, Anteile an den kommerziellen Rechten der Weltmeisterschaft an private Investoren zu verkaufen – ein Projekt mit einem Volumen von rund 20 Milliarden US-Dollar. Der Widerstand dagegen wuchs von Tag zu Tag: Die UEFA erklärte, sie habe „das Vertrauen in die aktuelle FIFA-Führung verloren“, nachdem sie das Vorgehen als „schäbigen Hinterzimmer-Deal“ bezeichnet hatte. Die 55 UEFA-Mitgliedsverbände stimmten sogar für einen möglichen Boykott aller FIFA-Wettbewerbe, sollte der Plan umgesetzt werden.

Auch der nord- und mittelamerikanische Verband Concacaf schlug scharfe Töne an: Ein Vorschlag dieser Tragweite komme „nicht durch Zufall“ bis in diese Phase, hieß es in einer Stellungnahme – das sei „ein Symptom einer Führung, die aufgehört hat, den Fußball an erste Stelle zu setzen“. Die asiatische Konföderation AFC forderte mehr Transparenz und Mitsprache der Mitgliedsverbände. Angesichts des massiven Gegenwinds zog Infantino den Plan zurück.

Die Marokko-Verbindung

Genau in dieser Drucksituation reiste Infantino laut „The Times“ zu einem kurzfristig angesetzten Krisentreffen nach Marokko, wo die FIFA in Salé bei Rabat erst kürzlich ihr erstes Regionalbüro in Nordafrika eröffnet hatte. Dabei soll er dem Land das Finale der WM 2030 zugesagt haben – ausgetragen im künftigen Grand Stade Hassan II bei Casablanca, das mit einer geplanten Kapazität von 115.000 Plätzen das größte Fußballstadion der Welt werden soll. Bislang galt das aufwendig sanierte Santiago-Bernabéu-Stadion in Madrid als wahrscheinlichster Austragungsort des Endspiels.

Die FIFA reagierte umgehend und wies den Bericht zurück: Es sei „falsch und irreführend“ zu behaupten, der Präsident habe ein Versprechen bezüglich des Austragungsorts abgegeben. Auch aus Spanien kam prompt Widerspruch: Die spanische Sportministerin Milagros Tolón äußerte die Hoffnung, dass die FIFA ihr Land nicht „hintergehen“ werde – Spanien sehe sich als verdienten Ausrichter des Finals.

Marokko als Schutzschild für Infantino

Während sich Europa, Nord-/Mittelamerika und Teile Asiens von Infantino distanzieren, positioniert sich Afrika als sein wichtigster Rückhalt. FRMF-Präsident und marokkanischer Haushaltsminister Fouzi Lekjaa lobte den Rückzug des Investorenplans öffentlich als „weise Entscheidung“, die den Zusammenhalt der FIFA-Mitgliedsverbände über Spaltung stelle. Gemeinsam mit CAF-Präsident Patrice Motsepe soll Lekjaa nach Angaben von Morocco World News dabei helfen, ein „kontinentales Schutzschild“ aus afrikanischen Verbänden um Infantino zu errichten – Rückenwind, den der FIFA-Chef bis zur Präsidentschaftswahl im März 2027 dringend braucht. Der Wahlkongress soll ausgerechnet in Rabat stattfinden.

Ob es tatsächlich zu einem WM-Finale in Casablanca kommt, bleibt offen: Die endgültige Entscheidung über den Austragungsort liegt formal bei der FIFA und wird nach eigenen Angaben in Abstimmung mit allen drei Gastgeberländern – Spanien, Portugal und Marokko – getroffen. Fest steht: Der Grand Stade Hassan II wird unabhängig vom Ausgang des Streits gebaut und soll bis 2028 fertiggestellt sein.

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