Gegen Kunstfälschung: Marokko startet digitale Plattform „ander.ma“ zur Echtheitsprüfung

Besucher betrachten Gemälde in einer Kunstgalerie (Symbolbild)
Foto: HonysTorresArt, Lizenz CC BY 4.0, Quelle: Wikimedia Commons

Marokkos Kulturministerium geht gegen Kunstfälschungen digital vor: Mit der neuen Online-Plattform „ander.ma“ sollen Werke dokumentiert, nachverfolgt und auf ihre Echtheit überprüft werden können. Das Ministerium für Jugend, Kultur und Kommunikation (Kulturressort) gab den Start in einer Mitteilung bekannt, über die unter anderem die Zeitung Le Matin berichtete.

Archiv für Künstler und Händler

Im Zentrum steht ein digitales Archiv, das Künstlerinnen und Künstler selbst befüllen. Sie laden Fotos ihrer Werke hoch, darunter Gemälde, Skulpturen, Installationen und digitale Arbeiten. Ergänzend lassen sich Belege hinterlegen, etwa Ausstellungskataloge, Plakate, Einladungen oder Presseartikel. Daraus entsteht eine durchsuchbare Referenzbasis, die bei Verkäufen, Ausstellungen oder der Ausstellung von Echtheitszertifikaten abgeglichen werden kann.

Nutzen sollen die Plattform auch Galerien, Auktionshäuser und andere Fachleute, etwa bei Verkäufen, Ausstellungen oder Nachlassregelungen. Hinzu kommt ein Warnsystem: Verdächtige, gefälschte oder nachgeahmte Werke können gemeldet werden. Das löst eine erneute Prüfung auf Basis der archivierten Unterlagen aus.

Ergebnis mehrerer Arbeitssitzungen

Das Projekt geht auf Empfehlungen von Arbeitssitzungen aus den Jahren 2024 und 2025 zurück, die am Sitz der Staatsanwaltschaft (Ministère Public) stattfanden. Beteiligt waren neben dem Kulturministerium die Nationale Museumsstiftung (FNM), das Justizministerium, das Generalsekretariat der Regierung, der Oberste Justizrat (CSPJ) sowie Kunstschaffende und weitere Partnerinstitutionen. Als Hintergrund nennt das Ministerium die digitale Transformation des Kultursektors und den Schutz künstlerischen Schaffens.

Hilfsmittel, kein Ersatz für Gutachten

Das Ministerium betont, dass „ander.ma“ als Instrument zur Vorbeugung und Überprüfung gedacht ist. Wissenschaftliche, technische oder juristische Expertise ersetzt die Plattform ausdrücklich nicht. Zahlen zu registrierten Künstlern, hochgeladenen Werken oder zum Budget nannte die Mitteilung nicht; namentlich zugeordnete Zitate von Verantwortlichen enthält sie ebenfalls nicht.

Der Start fällt in eine Woche mit weiteren Kulturmeldungen: Das Ministerium hat zugleich die Bewerbungsphase für den 57. Prix du Maroc du livre 2026 eröffnet, der unter anderem Lyrik, Romane, Übersetzungen und amazighische Literatur auszeichnet. Für Marokkos wachsende Kunstszene, in der Galerien und Auktionen an Bedeutung gewinnen, könnte ein verlässliches Herkunftsarchiv künftig ein wichtiges Vertrauenssignal sein – vorausgesetzt, Künstler und Händler nutzen es in der Breite.

Quellen: Le Matin, Hespress FR

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