Greenpeace fordert Reform: Marokkos 20-Prozent-Deckel für Solarstrom-Überschuss in der Kritik

Photovoltaikanlage auf einem Hausdach (Symbolbild)
Foto: Dr. Chinchu C., Lizenz CC BY 4.0, Quelle: Wikimedia Commons

Die Umweltorganisation Greenpeace hat Marokko zu einer grundlegenden Reform seines Gesetzes zur Eigenstromerzeugung aufgefordert. Im Zentrum der Kritik steht Artikel 12 des Gesetzes 82-21, der die Vergütung von überschüssigem Solarstrom aus privaten und gewerblichen Anlagen auf maximal 20 Prozent der jährlichen Produktion begrenzt. Nach Ansicht von Greenpeace schwächt diese Obergrenze den finanziellen Anreiz für Dachsolaranlagen erheblich und bremst damit den Ausbau dezentraler erneuerbarer Energien im Königreich.

Erst nach drei Jahren Wartezeit in Kraft getreten

Das Gesetz 82-21 zur Eigenproduktion von Strom war erst im Frühjahr 2026 nach rund dreijähriger Verzögerung endgültig in Kraft getreten und sollte Haushalten sowie kleinen Unternehmen erstmals einen geregelten Rahmen für die eigene Solarstromerzeugung bieten. Greenpeace zufolge bleibt die Regelung jedoch deutlich hinter ihrem Potenzial zurück: Die 20-Prozent-Grenze für die Netzeinspeisung führe dazu, dass ein Großteil des von Privatpersonen finanzierten sauberen Stroms de facto unentgeltlich ins Netz fließe. Zusätzlich kritisiert die Organisation die bei 11 Kilowatt Anlagenleistung ansetzende Schwelle, ab der aufwendigere Genehmigungsverfahren für den Netzanschluss greifen – eine Hürde, die aus Sicht von Greenpeace vor allem größere private und gewerbliche Projekte unnötig verkompliziert.

Forderungskatalog: Faire Tarife und einfachere Verfahren

Greenpeace legte einen konkreten Forderungskatalog vor: Die 20-Prozent-Obergrenze solle vollständig gestrichen und stattdessen eine faire, transparente Vergütung für die gesamte ins Netz eingespeiste Strommenge eingeführt werden. Auch die 11-Kilowatt-Schwelle müsse angehoben werden, um mehr Anlagen von komplexen Genehmigungsverfahren zu befreien. Weitere Forderungen betreffen vereinfachte Abläufe beim Netzanschluss, eine unabhängige Kontrolle der Antragsbearbeitung, verhältnismäßige Sanktionsmechanismen sowie klare gesetzliche Regelungen für Batteriespeicher, intelligente Stromzähler und bidirektionale Stromflüsse zwischen Haushalten und Netz.

Erneuerbare wachsen bei Kapazität schneller als bei Erzeugung

Die Debatte fällt in eine Phase, in der Marokko seinen Ausbau erneuerbarer Energien eigentlich beschleunigen will. Erneuerbare Quellen machten 2024 bereits 45 Prozent der installierten Stromerzeugungskapazität des Landes aus, trugen aber nur zu rund 27 Prozent zur tatsächlich erzeugten Strommenge bei – eine Lücke, die auf Netzengpässe, Speicherdefizite und regulatorische Hürden wie den kritisierten Vergütungsdeckel zurückgeführt wird. Bis 2030 strebt Marokko einen Anteil erneuerbarer Energien von 52 Prozent an der installierten Kapazität an. Greenpeace argumentiert, dass eine Reform der Eigenstromerzeugung neben ökologischen auch wirtschaftliche Vorteile hätte: geringere Abhängigkeit von fossilen Energieimporten und neue lokale Arbeitsplätze im Solarsektor. Bislang hat sich die zuständige Regulierungsbehörde ANRE öffentlich nicht zu den Reformvorschlägen geäußert.

Quellen: Yabiladi, Barlaman Today, Morocco World News

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