
Nawal El Moutawakel, Marokkos bekannteste Sportfunktionärin, hat ein neues wichtiges Amt in der internationalen Sportpolitik übernommen: Bei der 15. Generalversammlung der Islamic Solidarity Sports Association (ISSA) im saudi-arabischen Taif wurde sie am 12. September zur Vizepräsidentin für Afrika und Lateinamerika gewählt. Die Amtszeit läuft von 2026 bis 2029. Die 1985 in Riad gegründete ISSA vereint mittlerweile 57 Mitgliedsländer aus vier Kontinenten und organisiert unter anderem die Islamic Solidarity Games sowie die Women’s Islamic Games, um den Sportaustausch zwischen mehrheitlich muslimischen Nationen zu fördern.
Neue Führungsspitze der ISSA
Als Präsident der ISSA wurde Prinz Abdulaziz bin Turki Al Faisal Al Saud aus Saudi-Arabien in seinem Amt bestätigt. Neben El Moutawakel wählte die Generalversammlung den kasachischen Box-Weltmeister Gennadiy Golovkin zum Vizepräsidenten für Asien und Europa. Der neue Exekutivrat der ISSA umfasst insgesamt 18 Mitglieder, davon 15 mit Stimmrecht sowie drei Mitglieder von Amts wegen. Für die Region Afrika und Lateinamerika zogen zudem General Idriss Dokony Adiker aus dem Tschad, die ägyptische Olympiasiegerin Aya Medany sowie der Algerier Yacine Louail in den Exekutivrat ein. Adiker wurde bei der Ratserneuerung ausdrücklich für seinen langjährigen, hingebungsvollen Dienst für die Organisation gewürdigt.
Eine der einflussreichsten Sportlerinnen der arabischen Welt
El Moutawakels neue Funktion reiht sich in eine außergewöhnliche Karriere ein. 1984 gewann sie bei den Olympischen Spielen in Los Angeles Gold über 400 Meter Hürden und wurde damit die erste marokkanische, arabische und muslimische Frau mit einer Olympia-Goldmedaille überhaupt – ein historischer Moment, der sie in Marokko bis heute zur nationalen Symbolfigur für Frauen im Sport macht. Seit 1998 gehört sie dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) an, von 2012 bis 2016 bekleidete sie bereits einmal das Amt der IOC-Vizepräsidentin, eine Position, die sie aktuell erneut innehat. In dieser Zeit leitete sie unter anderem die IOC-Koordinierungskommission für die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro.
Ein weiterer Baustein in Marokkos Sportdiplomatie
Die Wahl fügt sich in einen breiteren Trend: Marokko hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend als einflussreicher Akteur in internationalen Sportgremien positioniert – flankiert von der Ausrichtung großer Turniere wie dem Afrika-Cup 2025 und der Vorbereitung auf die gemeinsame Fußball-Weltmeisterschaft 2030 mit Spanien und Portugal. Mit El Moutawakel an der Spitze der Afrika- und Lateinamerika-Vertretung der ISSA erhält das Königreich nun auch in der Organisation des Sports der islamischen Welt eine prominente Stimme. Beobachter werten das Amt zudem als Bestätigung ihres anhaltenden Einflusses in globalen Sportgremien, mehr als vier Jahrzehnte nach ihrem historischen Olympiasieg.
Quellen: Morocco World News, Infomédiaire, Tchadinfos


