
Marokkos Fischereihäfen melden für die ersten acht Monate des Jahres 2026 eine kräftige Erholung der Sardinenbestände. Nach offiziellen Zahlen des Sekretariats für Meeresfischerei stiegen die Sardinenanlandungen im Zeitraum Januar bis August auf 394.200 Tonnen – ein Plus von 66 Prozent gegenüber den 237.800 Tonnen im Vorjahreszeitraum. Der Wert der Fänge kletterte im gleichen Tempo auf 1,22 Milliarden Dirham, nach 735,1 Millionen Dirham im Jahr zuvor. Insgesamt legten Marokkos Anlandungen aller Fischarten um 6 Prozent auf 786.000 Tonnen zu, bei einem Gesamtwert von 12,5 Milliarden Dirham.
Südhäfen treiben den Aufschwung
Besonders deutlich fällt der Zuwachs in den Häfen der Südprovinzen aus. Dakhla verzeichnete ein Plus von 222 Prozent (60.000 Tonnen mehr), Laâyoune legte um 76 Prozent (plus 67.000 Tonnen) zu, Sidi Ifni um 104 Prozent (plus 14.000 Tonnen). Auch der Hafen von Tan-Tan gehört zu den Gewinnern: Dort stiegen die Anlandungen kleiner pelagischer Fische zwischen Jahresbeginn und dem 15. September um 151 Prozent auf rund 98.000 Tonnen, verglichen mit knapp 39.000 Tonnen im Vorjahreszeitraum. Sardinen machten dabei 99,8 Prozent des Fangs aus. Rachid Kassi, der örtliche Fischereidelegierte, erklärte, Tan-Tan belege damit unter Marokkos Häfen den zweiten Platz bei kleinen pelagischen Fischarten – hinter Laâyoune. Auch bei anderen Arten zog der Hafen an: Tintenfisch-Anlandungen stiegen um 54 Prozent, Kalmar um 25 Prozent, Krake um 3 Prozent. Die Weißfisch-Fänge summierten sich auf etwa 16.000 Tonnen im Wert von 628 Millionen Dirham.
Erholung nach Jahren des Rückgangs
Die aktuellen Zahlen markieren eine Trendwende. Zwischen 2022 und 2024 waren Marokkos Sardinenbestände dramatisch eingebrochen: von rund 965.000 auf etwa 525.000 Tonnen, ein Rückgang von knapp 45 Prozent. Klimawandel, veränderte Meeresbedingungen und hoher Befischungsdruck vor der Atlantikküste galten als Ursachen. Rabat reagierte im Februar 2026 mit weitgehenden Exportbeschränkungen für gefrorene Sardinen, um zunächst die heimische Versorgung zu sichern – mit spürbaren Folgen für europäische Abnehmer: In deutschen Supermärkten kam es zeitweise zu Engpässen bei Sardinenkonserven. Das Nationale Institut für Fischereiforschung (INRH) und das Fischereisekretariat begleiten die Bestände seit Jahren mit wissenschaftlichem Monitoring und biologischen Schonzeiten, um eine nachhaltige Bewirtschaftung sicherzustellen.
Vorsichtiger Optimismus
Ob sich der Aufwärtstrend fortsetzt, bleibt abzuwarten. Beobachter in Deutschland äußerten sich zuletzt zurückhaltend: Stefan Meyer vom Fisch-Informationszentrum (FIZ) in Hamburg rechnete noch im September nicht mit einer kurzfristigen Erholung der nordwestafrikanischen Bestände. Die aktuellen Zahlen aus Tan-Tan, Dakhla und Laâyoune deuten nun jedoch darauf hin, dass sich die Lage schneller entspannen könnte als zunächst befürchtet. Für die marokkanische Fischereiwirtschaft, die einen wichtigen Teil der Küstenwirtschaft im Süden des Landes trägt, wäre eine anhaltende Erholung ein bedeutendes Signal.
Quellen: Hespress English, Hespress Français


