Verantwortung statt Besitz: Marokko schlägt Verhaltenskodex für Meerengen-Staaten vor

Frachtschiffe passieren die Straße von Gibraltar vor dem Felsen von Gibraltar
Foto: Mustang Joe, Lizenz CC0, Quelle: Wikimedia Commons

Marokko hat bei einer informellen Sitzung des UN-Sicherheitsrats in New York einen internationalen Verhaltenskodex für Staaten vorgeschlagen, die an strategisch wichtigen Meerengen liegen. Außenminister Nasser Bourita erklärte am 17. September bei dem von Bahrain organisierten Arria-Format-Treffen mit dem Titel „Safe Seas, Shared Security“, Marokko verstehe die Verwaltung von Meerengen „als Verantwortung und nicht als Form des Besitzes“.

Bourita: Verantwortung statt Druckmittel

Bourita betonte, Marokko betrachte seine geografische Lage an der Straße von Gibraltar nicht „als Privileg oder Mittel zur Ausübung von Druck, sondern als internationale Verantwortung und als Instrument zur Förderung von Zusammenarbeit, Stabilität und Entwicklung“. Als konkreten Schritt schlug der Außenminister vor, dass Marokko gemeinsam mit Bahrain ein internationales Forum ins Leben ruft, um die Einhaltung des Völkerrechts an strategischen Wasserstraßen zu fördern und bewährte Praktiken zwischen den Anrainerstaaten auszutauschen. Der geplante Verhaltenskodex solle vor allem sicherstellen, dass zentrale Schifffahrtsrouten „offen, sicher und berechenbar“ bleiben.

100.000 Schiffe pro Jahr durch die Straße von Gibraltar

Zur Untermauerung der Bedeutung der Meerenge nannte Bourita konkrete Zahlen: Jährlich passieren rund 100.000 Schiffe die Straße von Gibraltar, umgerechnet etwa 300 pro Tag. Damit liege das Verkehrsaufkommen fünfmal höher als am Suezkanal, elfmal höher als am Panamakanal und fast dreimal so hoch wie an der Straße von Hormus. Diese Zahlen unterstreichen aus marokkanischer Sicht, warum ein verlässlicher rechtlicher Rahmen für die Anrainerstaaten strategischer Meerengen international an Gewicht gewinnen sollte.

Meere als verwundbare globale Infrastruktur

Der Außenminister warnte zugleich, dass Meere und Ozeane eine verwundbare globale Infrastruktur darstellten, die anfällig für Ausbeutung und böswillige Aktivitäten sei. Stärkere internationale Zusammenarbeit sei daher notwendig, um Sicherheitsrisiken an neuralgischen Punkten der Weltschifffahrt zu begegnen. Der Vorstoß fällt in eine Zeit wachsender internationaler Aufmerksamkeit für die Sicherheit globaler Seehandelsrouten, nachdem Spannungen an anderen Meerengen wie der Straße von Hormus zuletzt auch Marokkos eigene Energieimportkosten spürbar erhöht hatten. Mit dem Vorschlag positioniert sich Marokko erneut als Vermittler zwischen regionalen und internationalen Sicherheitsinteressen – und unterstreicht seinen Anspruch, an der Schnittstelle zwischen Europa, Afrika und dem Atlantik eine aktive diplomatische Rolle zu spielen. Ob und in welcher Form andere Meerengen-Anrainerstaaten auf die Initiative reagieren, ist bislang offen; ein konkreter Zeitplan für das geplante Forum mit Bahrain wurde bei dem Treffen im UN-Sicherheitsrat noch nicht genannt.

Quellen: Hespress English, Yabiladi, The North Africa Post

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