
Marokkos Tourismusbranche verzeichnet im ersten Halbjahr 2026 ein kräftiges Wachstum: Die Einnahmen aus dem Tourismussektor stiegen laut marokkanischem Devisenamt (Office des Changes) um 15,9 Prozent auf rund 64,89 Milliarden Dirham – umgerechnet etwa 7,1 Milliarden US-Dollar – im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Ausgaben marokkanischer Reisender im Ausland stiegen im gleichen Zeitraum moderater um 3,6 Prozent auf 16,09 Milliarden Dirham, sodass die Reiseverkehrsbilanz mit einem Überschuss von 48,8 Milliarden Dirham abschloss – ein Plus von 20,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
9,4 Millionen Besucher bis Ende Juni
Parallel zu den steigenden Einnahmen wuchs auch die Zahl der Besucherinnen und Besucher: Bis Ende Juni empfing Marokko laut der Direktion für Studien und Finanzprognosen (DEPF) rund 9,4 Millionen Touristinnen und Touristen – ein Plus von 6 Prozent gegenüber dem vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres. Der überproportionale Anstieg der Einnahmen im Vergleich zur Besucherzahl deutet zudem darauf hin, dass internationale Gäste im Schnitt mehr Geld pro Aufenthalt ausgeben als zuvor.
Deutschland und Polen mit besonders starkem Zuwachs
Bei der Herkunft der Reisenden zeigt sich ein differenziertes Bild: Die Ankünfte aus Frankreich legten um 9 Prozent zu, aus Deutschland sogar um 14 Prozent. Auch aus Belgien (plus 9 Prozent), den Niederlanden (plus 10 Prozent) und Italien (plus 6 Prozent) kamen deutlich mehr Besucher als im Vorjahr. Den stärksten Zuwachs verzeichnete jedoch Polen mit einem Plus von 32 Prozent – ein Hinweis darauf, dass sich Marokko zunehmend auch auf osteuropäischen Märkten als Reiseziel etabliert. Reiseveranstalter berichten zudem von wachsender Nachfrage nach mehrtägigen Wüstenexpeditionen und kulturellen Erlebnisreisen mit Berber-Führern, ein Segment, das von der laufenden Modernisierung der touristischen Infrastruktur im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 2030 zusätzlich profitiert.
Teil eines breiteren wirtschaftlichen Aufschwungs
Die Tourismuszahlen fügen sich in ein insgesamt positives außenwirtschaftliches Bild: Die Rücküberweisungen im Ausland lebender Marokkanerinnen und Marokkaner (MRE) stiegen im gleichen Zeitraum um 9,9 Prozent auf 61,48 Milliarden Dirham. Die ausländischen Netto-Direktinvestitionen in Marokko kletterten um 31,5 Prozent auf 26,16 Milliarden Dirham, während marokkanische Direktinvestitionen im Ausland bei 5,71 Milliarden Dirham lagen. Die Zahlen unterstreichen, dass der Tourismussektor derzeit einer der zentralen Währungsbringer für die marokkanische Wirtschaft ist.
Sieben-Monats-Bilanz bestätigt den Trend
Update vom 2. September 2026: Auch für die ersten sieben Monate 2026 setzt sich die positive Entwicklung fort. Laut Office des Changes kletterten die Reiseeinnahmen auf 79,01 Milliarden Dirham (rund 7,98 Milliarden US-Dollar) – ein Plus von 13,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Ausgaben marokkanischer Reisender im Ausland stiegen moderater um 7,3 Prozent auf 19,92 Milliarden Dirham, sodass sich der Überschuss der Reiseverkehrsbilanz auf 59,08 Milliarden Dirham erhöhte (plus 15,7 Prozent). Auch der Flugverkehr wuchs weiter kräftig: An Marokkos Flughäfen wurden in den ersten sieben Monaten rund 22,28 Millionen Passagiere gezählt, ein Plus von 8,77 Prozent, davon knapp 19,9 Millionen im internationalen Verkehr. Parallel legten auch die Rücküberweisungen der im Ausland lebenden Marokkanerinnen und Marokkaner (MRE) um 8,1 Prozent auf 74,78 Milliarden Dirham zu.
Update vom 5. September 2026: Wachstum bei Ankünften verlangsamt sich
Update vom 5. September 2026: Auch bei den Besucherzahlen bestätigt sich der positive Trend, wenngleich mit etwas gebremstem Tempo: Bis Ende August zählte Marokko nach vorläufigen Angaben rund 14,1 Millionen Touristinnen und Touristen, ein Plus von 4,5 Prozent beziehungsweise 608.000 zusätzlichen Ankünften gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Allein im August kamen mehr als 2 Millionen Besucher ins Land, ein neuer Rekord für den Monat und ein Zuwachs von 3 Prozent im Jahresvergleich. Damit hat sich das Ankunftswachstum gegenüber den zweistelligen Raten einzelner Herkunftsmärkte im ersten Halbjahr spürbar verlangsamt, was angesichts der bereits hohen Vorjahresbasis in der Hauptsaison nicht ungewöhnlich ist. Tourismusministerin Fatim-Zahra Ammor erklärte dazu, die Tourismus-Roadmap 2023-2026 habe gezeigt, dass gezielte Investitionen in zentrale Hebel sich sowohl beim Besucheraufkommen als auch beim sozioökonomischen Nutzen auszahlten, und verwies zugleich auf weiteres Potenzial, die Besucherströme künftig breiter auf verschiedene Regionen und Akteure der Branche zu verteilen.
Quellen: Morocco World News, Morocco World News (Update), Hespress English (Update)


