Marokko trauert um Hamid Barrada: Der einzige Journalist, der König Hassan II. interviewte, ist tot

Alte Olivetti-Reiseschreibmaschine auf Holzboden (Symbolbild)
Foto: LjL, gemeinfrei (Public Domain), Quelle: Wikimedia Commons

Marokko trauert um eine der prägendsten Figuren seines Journalismus: Hamid Barrada, der als einziger marokkanischer Journalist König Hassan II. interviewte, ist in der Nacht von Freitag auf Samstag im Alter von 87 Jahren gestorben. Er wurde nach dem Nachmittagsgebet auf dem Friedhof Arrahma in Marrakesch beigesetzt. Barrada prägte über Jahrzehnte die frankophone Presse Nordafrikas und galt vielen Kollegen als Doyen des marokkanischen Journalismus.

Vom Todesurteil ins Exil: eine politisch geprägte Jugend

Geboren wurde Barrada 1939 in Tanger, seine Familie stammte ursprünglich aus Fès. Nach einer Ausbildung in Philosophie, Jura und politischer Soziologie engagierte er sich früh politisch: 1962 wurde er Präsident der marokkanischen Studentengewerkschaft UNEM und war zugleich in der linken Nationalen Union der Volkskräfte (UNFP) aktiv. Für sein politisches Engagement wurde er 1963 in Abwesenheit zum Tode verurteilt und musste ins Exil nach Algerien und später nach Frankreich fliehen. Erst 1978 konnte er nach Marokko zurückkehren – ein Schicksal, das er mit zahlreichen Oppositionellen seiner Generation teilte.

Der einzige Interviewpartner von Hassan II.

Seine journalistische Karriere machte Barrada international bekannt: Beim panafrikanischen Magazin „Jeune Afrique“ arbeitete er zunächst als Reporter, bevor er von 1974 bis 1985 als Chefredakteur amtierte und dem Blatt danach noch jahrelang als Autor verbunden blieb. Beim französischsprachigen Sender TV5 leitete er das Ressort Maghreb und Naher Osten, beim marokkanischen Fernsehsender 2M moderierte er von 2007 bis 2018 das langformatige Interviewformat „Mais Encore?“. Historische Bedeutung erlangte er 1985, als er für das kanadische Fernsehen König Hassan II. interviewte – bis heute ist er der einzige marokkanische Journalist, dem dies je gelang.

Ein Vermächtnis in Buchform

Noch 2025 veröffentlichte Barrada mit der „Anthologie des entretiens“ ein mehr als 700 Seiten starkes Werk, das seine Interviews aus den Jahren 1977 bis 2012 versammelt – unter anderem mit Persönlichkeiten wie dem früheren marokkanischen Premierminister Abderrahmane Youssoufi, dem Historiker Abdallah Laroui, dem algerischen Unabhängigkeitsführer Ahmed Ben Bella und dem senegalesischen Staatsgründer Léopold Sédar Senghor. Bis zu seiner Emeritierung lehrte Barrada zudem an der Universität, 2004 sagte er vor der marokkanischen Wahrheits- und Versöhnungskommission (IER) aus, die die Menschenrechtsverletzungen der sogenannten „Jahre der Bleikugeln“ aufarbeitete. Nach Bekanntwerden seines Todes würdigte ihn der Journalist Taoufik Bouachrine als „Doyen der marokkanischen Journalisten“, sein Kollege Abdellah Touarbi bezeichnete ihn als „den wichtigsten professionellen Journalisten, den Marokko je hatte“.

Quellen: Morocco World News, La Vie éco

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