Rekord bei Diaspora-Überweisungen: 89,2 Milliarden Dirham bis Ende August – Handelsdefizit wächst um 25 Prozent

Marokkanische Dirham-Banknoten und Münzen (Symbolbild)
Foto: Freepius, Lizenz CC0 1.0, Quelle: Wikimedia Commons

Die Geldüberweisungen der Auslandsmarokkaner (MRE) haben in den ersten acht Monaten des Jahres 2026 einen neuen Höchstwert erreicht. Nach vorläufigen Daten des Devisenamts Office des Changes stiegen die Transfers bis Ende August um 9 Prozent auf 89,22 Milliarden Dirham (rund 8,9 Milliarden US-Dollar). Im Vorjahreszeitraum waren es 81,85 Milliarden Dirham, der Zuwachs beträgt damit gut 7,4 Milliarden Dirham.

Reiseeinnahmen und Investitionen legen zu

Auch die übrigen Zahlungsbilanzdaten fallen überwiegend positiv aus. Die Reiseeinnahmen kletterten um 9,7 Prozent auf 97,93 Milliarden Dirham. Die ausländischen Direktinvestitionen sprangen sogar um 65 Prozent auf 34,33 Milliarden Dirham. Die Exporte wuchsen um 8,7 Prozent; allein die Automobilausfuhren legten laut den Angaben um 14,5 Prozent auf rund 116 Milliarden Dirham zu.

Handelsdefizit wächst deutlich schneller

Die Schattenseite: Das Handelsdefizit weitete sich um 25,4 Prozent auf 282,62 Milliarden Dirham aus. Die Importe stiegen mit 15,8 Prozent fast doppelt so schnell wie die Exporte. Überweisungen, Tourismus und Investitionen gleichen die Lücke in der Leistungsbilanz zwar teilweise aus, sie bleiben aber ein wichtiger Risikofaktor für die Wirtschaft.

Verschärfte EU-Regeln als Herausforderung

Bank-Al-Maghrib-Gouverneur Abderrahim Bouazza nannte eine „Verschärfung der Bedingungen in der Europäischen Union für die Vermittlung durch Tochtergesellschaften marokkanischer Banken“ als bedeutende Herausforderung für die Transferkanäle. Marokkanische Banken sind in Europa traditionell wichtige Anlaufstellen für Überweisungen der Diaspora.

Hinzu kommt ein strukturelles Thema: Einer zitierten Umfrage zufolge fließen rund 87 Prozent der Überweisungen in den laufenden Konsum der Haushalte und nur ein kleiner Teil in produktive Investitionen. Vor allem in ländlichen Regionen bremsen demnach bürokratische Hürden und fehlende Anreize unternehmerische Projekte.

Die Überweisungen der Diaspora gelten seit Jahren als eine der verlässlichsten Devisenquellen des Landes und stabilisieren die Haushaltseinkommen, gerade bei steigenden Lebenshaltungskosten. Wie nachhaltig der Trend im Jahresverlauf bleibt, dürften die nächsten Monatsdaten des Office des Changes zeigen.

Quellen: Morocco World News, Morocco World News (Automobilexporte), Yabiladi

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