
Ein junges Rüstungs-Startup aus Rabat will Marokko in die Liga der Drohnenhersteller führen: Fünf marokkanische Ingenieure haben eine Angriffsdrohne entwickelt, die ohne GPS auskommt. Damit sie ihr Projekt zur Serienreife bringen können, fordern sie nun Zugang zu militärischen Testgeländen und einen rechtlichen Rahmen für Rüstungsforschung.
Navigation über das Gelände statt über Satelliten
Hinter dem Projekt steht die Firma Ballistic Defense System (BDS), die im Dezember 2023 in Rabat gegründet wurde. Mitgründer und Geschäftsführer ist Fahd Laamoumi, ein ehemaliger NASA-Luftfahrtingenieur und McKinsey-Berater. Die Drohne orientiert sich, indem Bordkameras und Sensoren das überflogene Gelände mit digitalen Höhenmodellen abgleichen. Drei KI-Agenten übernehmen dabei Flugsteuerung, Zielsuche und den präzisen Anflug. Da das System nicht auf Satellitensignale angewiesen ist, lässt es sich durch GPS-Störungen nicht ohne Weiteres aus dem Kurs bringen.
Der 17 Kilogramm schwere Prototyp hat nach Angaben des Teams Testflüge über insgesamt rund 800 Kilometer über Land und Wasser absolviert. Bei einer Vorführung im August 2026 im belgischen Chimay identifizierte die Drohne erfolgreich die Attrappe eines Luftabwehrsystems vom Typ HQ-9.
Nächster Schritt: 250 Kilogramm und 2.000 Kilometer Reichweite
Die Entwicklung des Prototyps kostete laut Bericht 11,5 Millionen Dirham (etwa 1,15 Millionen US-Dollar) und dauerte 18 Monate; das gesamte Vorhaben ist auf fünf Jahre angelegt und wird privat finanziert. Als Nächstes plant BDS ein einsatzfähiges Modell mit 250 Kilogramm Gewicht, 2.000 Kilometern Reichweite und 50 Kilogramm Nutzlast. Das Design sei weitgehend fertig, die Fertigung stehe noch aus. Eine Demonstration ist für 2027 vorgesehen – vorausgesetzt, es gibt die nötige Finanzierung und Zugang zu militärischen Testmöglichkeiten.
Laamoumi betonte, der technologisch schwierigste Teil liege bereits hinter dem Team. Das größere Hindernis sei inzwischen der Zugang zu Start- und Landebahnen: Für Rüstungsforschung gebe es in Marokko bislang keinen gesetzlichen Rahmen, eine formelle Testgenehmigung der Königlichen Streitkräfte (FAR) fehle.
Vier Forderungen an die Politik
Das Startup schlägt vier Maßnahmen vor: einen rechtlichen Status für Verteidigungsforschung, eine zentrale Anlaufstelle zwischen Startups und Militär, ausgewiesene Flugtestzonen sowie Beschaffungsinstrumente, die auf junge Unternehmen zugeschnitten sind. Das Vorhaben fällt in eine Zeit, in der Marokko seine Rüstungsindustrie ausbaut und sich zuletzt als Ausbildungsstandort für afrikanische Armeen positioniert hat.
Quellen: Morocco World News


