IWF-Prognose: Marokkos Wirtschaft wächst 2026 um 4,5 Prozent – Leistungsbilanzdefizit fast verdoppelt

Schriftzug und Siegel des Internationalen Währungsfonds am Hauptsitz in Washington
Foto: Marek Ślusarczyk (Tupungato), Lizenz CC BY 3.0, Quelle: Wikimedia Commons

Der Internationale Währungsfonds (IWF) traut Marokko in diesem Jahr ein Wirtschaftswachstum von 4,5 Prozent zu. Für 2027 rechnet die Organisation in ihrem jüngsten World Economic Outlook vom Oktober mit 4,2 Prozent. Das berichtet das Portal Yabiladi. Nach geschätzten 4,9 Prozent im Jahr 2025 würde sich die Dynamik damit leicht abschwächen, bliebe aber klar im soliden Bereich.

Inflation bleibt niedrig

Bei den Verbraucherpreisen erwartet der IWF weiterhin ruhige Verhältnisse: Die durchschnittliche Inflation soll 2026 bei 0,9 Prozent liegen und 2027 auf 1,4 Prozent anziehen. 2025 hatte sie nach IWF-Schätzung 0,8 Prozent betragen. Marokko gehört damit weiterhin zu den Volkswirtschaften mit vergleichsweise geringem Preisdruck.

Arbeitslosigkeit sinkt nur langsam

Am Arbeitsmarkt sieht der Fonds eine schrittweise Entspannung. Die Arbeitslosenquote soll von 13 Prozent im Jahr 2025 auf 12,2 Prozent in diesem Jahr und auf 11,3 Prozent im Jahr 2027 zurückgehen. Selbst bei dieser Entwicklung bliebe die Quote hoch – die Schaffung von Arbeitsplätzen bleibt eine der zentralen Aufgaben der Wirtschaftspolitik, gerade für die künftige Regierung, die derzeit noch gebildet wird.

Leistungsbilanzdefizit wächst deutlich

Die auffälligste Zahl der Prognose betrifft die Außenbilanz: Das Defizit der Leistungsbilanz soll von 2,4 Prozent der Wirtschaftsleistung im Jahr 2025 auf 4,9 Prozent im Jahr 2026 steigen und 2027 auf 4,1 Prozent zurückgehen. Zuletzt hatte bereits das wachsende Handelsdefizit Schlagzeilen gemacht, das Rekord-Überweisungen der Auslandsmarokkaner nur teilweise auffangen.

Einordnung

Mit 4,5 Prozent liegt der IWF leicht über den jüngsten Einschätzungen der Weltbank und der marokkanischen Zentralbank Bank Al-Maghrib, die jeweils 4,4 Prozent veranschlagt hatten, aber unter der Prognose der EBRD von 4,8 Prozent. Der Bericht, den Yabiladi unter dem französischen Titel „Résilience sous tension, choix urgents“ beschreibt, ist die halbjährliche Bewertung der Weltwirtschaft durch den IWF. Die Prognosen stehen unter dem Vorbehalt globaler Unsicherheiten; wie sich Landwirtschaft, Investitionen und das Defizit tatsächlich entwickeln, wird sich erst in den kommenden Quartalen zeigen.

Quellen: Yabiladi

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