
Ein mit rund 40.000 Tonnen Diesel beladener Tanker ist aus Russland in Richtung Marokko unterwegs. Das Schiff nahm am Dienstag, dem 13. Oktober, im Ostseehafen Primorsk ultra-schwefelarmen Diesel auf, wie aus Schiffsdaten der London Stock Exchange Group (LSEG) hervorgeht, über die Reuters berichtete. Marokko ist darin lediglich als gemeldetes Ziel verzeichnet; eine Ankunft oder Zollabfertigung ist bislang nicht bestätigt.
Russland öffnet das Diesel-Ventil wieder
Hintergrund ist eine Vereinbarung zwischen Washington und Moskau zur Versorgung der globalen Kraftstoffmärkte. US-Präsident Donald Trump erklärte, Russland habe zugesagt, Diesel zu liefern, um die Preise zu senken. Moskau hatte sein Dieselexportverbot am 10. Oktober teilweise aufgehoben. Vizeregierungschef Alexander Nowak bestätigte dies am Montag und stellte bis Jahresende wieder Exporte von drei bis 3,5 Millionen Tonnen pro Monat in Aussicht – das entspricht dem üblichen russischen Ausfuhrvolumen.
Nach Trumps Angaben soll Russland sofort mehr als 300.000 Tonnen liefern, im November weitere 500.000 Tonnen und unmittelbar danach eine Million Tonnen. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte am Donnerstag, russischer Diesel erreiche bereits die Weltmärkte; er erwarte eine stabilisierende, aber keine vollständig beruhigende Wirkung auf die Ölmärkte. Der Deal ist umstritten: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, europäische Vertreter und einige Republikaner lehnen ihn ab. Moskau nannte die europäische Kritik „zynisch“ und verwies auf die fortgesetzten Käufe russischen Öls und Flüssiggases in Europa.
Marokko bleibt stark importabhängig
Für Marokko ist das Thema sensibel: Die Preise an den Tankstellen sind zuletzt erneut gestiegen und lagen Anfang Oktober je nach Anbieter und Stadt über 16,30 Dirham pro Liter. Das Land importierte 2025 laut Energiewendeministerium 6,857 Millionen Tonnen Diesel und 892.000 Tonnen Benzin. Die Einfuhren von Diesel und Heizöl hatten laut Devisenamt einen Wert von rund 51,5 Milliarden Dirham, nach 57 Milliarden im Jahr 2024.
Die Datenlage zur Herkunft ist uneinheitlich. Regierungssprecher Mustapha Baitas hatte 2023 erklärt, der russische Anteil an den Dieselimporten habe 2020 bei 9, 2021 bei 5 und 2022 bei 9 Prozent gelegen. Médias24 wertete im April 2026 Daten des Devisenamts aus und fand Russland seit 2023 nicht mehr unter den direkt erfassten Diesellieferanten; führend waren 2025 Saudi-Arabien (33,7 Prozent), Spanien (22,1), die USA (15,2) und Indien (8). Das Fachportal Attaqa meldete dagegen, Marokko habe 2025 täglich rund 40.000 Barrel russischer Mineralölprodukte erhalten, mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr. Die Zahlen sind nicht direkt vergleichbar, da Attaqa mehrere Raffinerieprodukte erfasst.
Ob die Ladung tatsächlich in Marokko gelöscht wird und ob sie die Spritpreise spürbar beeinflusst, bleibt offen. Die Regierung hatte erst Anfang Oktober die Direkthilfe für Transportunternehmer wegen der steigenden Preise aufgestockt.
Quellen: Morocco World News, Hespress English


