Orange-Warnung im Norden: Starkregen lässt Marokko auf Hochwasser vorbereiten – Stauseen bei 65,8 Prozent

Überfluteter Parkplatz bei Starkregen (Symbolbild)
Foto: Richard Humphrey, Lizenz CC BY-SA 2.0, Quelle: Wikimedia Commons

Kräftige Regenfälle ziehen seit Beginn der Woche über Marokko und haben die Behörden im Norden des Landes in Alarmbereitschaft versetzt. Die Wetterbehörde DGM verlängerte am Mittwoch ihre Orange-Warnung: Gewitter sollen weitere 20 bis 35 Millimeter Regen in 16 Provinzen bringen, begleitet von Hagel und starken Windböen. Bestätigte Meldungen über großflächige neue Überschwemmungen, Todesopfer oder gravierende Verkehrsstörungen gab es nach Angaben von Hespress bis zum Mittwochabend nicht.

Nördlicher Gürtel besonders betroffen

Die aktuelle Warnung gilt unter anderem für Tanger-Assilah, Tétouan, Larache, Chefchaouen, Al Hoceima, Nador, Taza und Taounate sowie für Kenitra, Sidi Kacem und Al Haouz. Schon am Dienstag hatte ein Alarm 47 Provinzen im Zentrum, Osten und Süden des Landes erfasst. Die höchsten Tagesmengen meldete bis Mittwochfrüh Ifrane mit 40 Millimetern innerhalb von 24 Stunden, gefolgt von Aïn Chaïr in der Provinz Figuig (33 Millimeter), El Attaouia (32) und Merija in Jerada (30). In den Höhenlagen des Mittleren und Hohen Atlas wird zudem Schnee erwartet, die Temperaturen sinken in den Bergen spürbar.

In der Region Tanger-Tétouan-Al Hoceima verstärkten die Behörden vorsorglich die Hochwasserschutzmaßnahmen, vor allem an Flussläufen und in Gebieten, die durch Abfluss und über die Ufer tretende Gewässer gefährdet sind. Der Blick richtet sich auch auf die Talsperren der Region, weil weitere Niederschläge Anpassungen im Betrieb der Stauseen nötig machen könnten.

Keine Notablässe am Loukkos

Informierte Stellen der Wasserwirtschaft wiesen Berichte über außergewöhnliche Ablässe an den Stauseen Oued El Makhazine und Dar Khrofa im Loukkos-Becken zurück. Die Abgabe von rund 400.000 Kubikmetern pro Tag in Oued El Makhazine gehöre zum Normalbetrieb für Stromerzeugung und Bewässerung und sei keine Notmaßnahme wegen steigender Pegel. Am 3. November war Oued El Makhazine zu etwa 65 Prozent gefüllt, Dar Khrofa zu rund 80,5 Prozent.

Speicher doppelt so voll wie vor einem Jahr

Die Niederschläge treffen auf eine völlig andere Ausgangslage als 2025. Am Mittwoch lagen in Marokkos Stauseen 11,21 Milliarden Kubikmeter Wasser, das entspricht 65,82 Prozent der Gesamtkapazität. Am 4. November 2025 waren es nur 31,12 Prozent. Nach Jahren der Dürre, die Trinkwasserversorgung, Landwirtschaft und Speicherbewirtschaftung unter Druck gesetzt hatte, gehen mehrere Einzugsgebiete mit deutlich größeren Reserven in den Winter.

Allerdings ist die Lage regional sehr unterschiedlich: Das Bouregreg-Becken war zu 76,76 Prozent gefüllt, Sebou zu 74,27 Prozent, Loukkos zu 72,58 Prozent und Moulouya zu 72,49 Prozent. Souss-Massa kam dagegen nur auf 46,29 Prozent, Draa-Oued Noun sogar nur auf 38,58 Prozent. Der Süden profitiert vom Regen im Norden also nur begrenzt – für ihn bleibt Wasserknappheit ein Thema, auch wenn die Landesbilanz erfreulich aussieht.

Quellen: Hespress English

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