
Marokko etabliert sich einem neuen UNCTAD-Bericht zufolge zunehmend als bevorzugter Standort für ausländische Investitionen in Fertigung, Elektromobilität, erneuerbare Energien und Logistik. Im „World Investment Report 2026“ der UN-Handels- und Entwicklungskonferenz verzeichnete das Land 2025 Direktinvestitionen aus dem Ausland in Höhe von rund 3,3 Milliarden Dollar (etwa 30,7 Milliarden Dirham) – getragen von der fortschreitenden Diversifizierung in Fertigungs- und Automobilaktivitäten.
Batteriefabriken als neuer Wachstumstreiber
UNCTAD zählt Marokko neben Ländern wie Brasilien, Indien und Thailand zu den aufstrebenden Zielen der weltweit expandierenden Investitionen in Elektrofahrzeuge. Der Bericht betont, dass der Einstieg des Landes in die Batteriefertigung Ergebnis einer langfristigen Industriestrategie sei und nicht auf einen einzelnen Investitionsanreiz zurückgehe: Über zwei Jahrzehnte hinweg hat Marokko eine exportorientierte Automobilplattform aufgebaut – mit Industrieinfrastruktur, Anreizen in Freizonen, gezielter Zulieferentwicklung und eigens geschaffenen Ausbildungseinrichtungen. Als Beleg für die Attraktivität des Standorts nennt UNCTAD das Gigafactory-Projekt in der Region Rabat-Salé-Kénitra: Die Anfangsinvestition liegt bei rund 1,3 Milliarden Dollar (12 Milliarden Dirham), mit geplanter Erweiterung von 20 auf 100 Gigawattstunden Kapazität und einem möglichen Gesamtinvestitionsvolumen von rund 6,5 Milliarden Dollar (60 Milliarden Dirham). Auch das mit niederländischer Beteiligung realisierte Stellantis-Automobilprojekt im Volumen von 1,5 Milliarden Dollar zählt laut UNCTAD zu den zehn größten neuen Industrieprojekten, die 2025 in ganz Afrika angekündigt wurden.
Grüner Strom als Standortvorteil
Als weiteren wichtigen Wettbewerbsvorteil hebt der Bericht Marokkos Strategie für erneuerbare Energien hervor. „Marokkos Ziele bei erneuerbaren Energien und seine Dekarbonisierungsverpflichtungen haben zusammen mit Vereinbarungen, die Unternehmen Zugang zu dediziertem Ökostrom verschaffen, dazu beigetragen, das Land als attraktiven Standort für die Fertigung von Batteriematerialien und -zellen zu positionieren“, zitiert UNCTAD aus dem Bericht. Konkret nennt die Organisation das Jorf-Lasfar-Gemeinschaftsunternehmen COBCO von CNGR und Al Mada, das den Anteil grünen Stroms an seinem Betrieb bis Ende 2026 auf 100 Prozent steigern will, sowie die Gigafactory von Gotion in Kénitra, die an ein eigenes Versorgungsprojekt mit einer 500-Megawatt-Windanlage und 2.000 Megawattstunden Batteriespeicherkapazität gekoppelt ist.
Tanger Med als Drehscheibe für Zulieferer
Auch die Logistikinfrastruktur trägt laut UNCTAD wesentlich zur Investitionsattraktivität bei. Der Hafenkomplex Tanger Med samt angrenzender Sonderwirtschaftszonen fungiere als „Tor nach Europa“ und verwandle die geografische Lage Marokkos in exportorientierte Auslandsinvestitionen. Der Bericht verweist darauf, dass sich der zentrale Automobil-Cluster nur 35 Fahrminuten vom Terminal entfernt befindet, was Transportzeiten und Schwankungen zwischen Werkstor und Schiffsabfahrt verringert. Zudem empfängt Tanger Med Zugverbindungen mit Fahrzeugen von Renault und Stellantis, während die Zusammenarbeit mit dem spanischen Hafen Algeciras die Logistik über die Meerenge von Gibraltar hinweg weiter stärkt. UNCTAD betont allerdings auch, dass das Anziehen von Investitionen allein nicht ausreiche: Entwicklungsländer müssten ausländisches Kapital gezielt mit lokalen Zulieferern, Qualifikationen, Innovation und Beschäftigung verknüpfen, damit die Investitionen zu einer breiteren heimischen Industrieentwicklung beitragen.


