
Marokkos Wirtschaft steuert 2026 auf eines ihrer stärkeren Jahre der letzten Zeit zu. Wirtschafts- und Finanzministerin Nadia Fettah bezifferte das erwartete Wachstum des Bruttoinlandsprodukts bei einer Sitzung des Regierungsrats in Rabat auf 5,3 Prozent – getragen vor allem von einer erholten Landwirtschaft und anhaltend robusten Dienstleistungen.
Fettah begründete die positive Prognose mit dem, was sie einen „proaktiven und flexiblen Ansatz“ der Regierung nannte: Die Auswirkungen mehrerer Krisen auf Kaufkraft, Wirtschaftsaktivität und soziale Stabilität seien abgefedert worden, ohne die makroökonomischen Grundlagen zu gefährden. Die Inflation lag in der ersten Jahreshälfte 2026 im Schnitt bei lediglich 0,4 Prozent, die Kerninflation sogar leicht im negativen Bereich – unter anderem, weil Lebensmittelpreise nachgaben und staatliche Kaufkraftmaßnahmen griffen.
Auch am Arbeitsmarkt zeigt sich eine leichte Entspannung: 2025 entstanden netto rund 193.000 neue Stellen, die allgemeine Arbeitslosenquote sank auf 13 Prozent. Die enger gefasste Arbeitslosenquote verharrte im ersten Halbjahr 2026 bei 10,8 Prozent.
Im Außenhandel wuchsen die Exporte bis Ende Mai um 5,8 Prozent auf 211,4 Milliarden Dirham, angetrieben insbesondere von Automobil- und Luftfahrtindustrie. Die Importe legten mit 11,8 Prozent auf 370,5 Milliarden Dirham jedoch stärker zu, sodass sich das Handelsdefizit um 20,8 Prozent ausweitete. Abgefedert wird diese Lücke durch Überweisungen der marokkanischen Diaspora (46,2 Milliarden Dirham) und Einkünfte aus dem Tourismus (46,9 Milliarden Dirham).
Für die kommenden Jahre rechnet die Regierung mit etwas moderateren, aber stabilen Wachstumsraten: 4,1 Prozent 2027, danach 4,2 Prozent in den beiden Folgejahren. Der Dreijahres-Haushaltsrahmen 2027–2029 basiert unter anderem auf der Annahme einer Getreideernte von 70 Millionen Doppelzentnern, einem Ölpreis von 70 US-Dollar je Barrel und einer Inflation von rund 2 Prozent.
Quelle: Aujourd’hui le Maroc


