
Der US-amerikanische Autozulieferer Gentex Corporation baut sein erstes Werk in Afrika – und wählt dafür Marokko. Das im US-Bundesstaat Michigan ansässige Unternehmen, weltweit führend bei elektrochromen Rückspiegeln, digitalen Sichtsystemen und intelligenten Verglasungen, kündigte den Schritt im Rahmen der Vorlage seiner Quartalszahlen für das zweite Quartal 2026 an. Eine Absichtserklärung ist unterzeichnet, ein Grundstück identifiziert, die Unterstützung der marokkanischen Behörden gesichert.
Produktion für europäische Autobauer ab 2028
Die neue Fabrik soll vor allem elektrochrome Rückspiegel sowie elektronische Module für Fahrzeuge fertigen, die für den europäischen Markt bestimmt sind. Die Inbetriebnahme der ersten Produktionslinien ist für 2028 geplant. Ziel ist es, die Fertigung näher an die Montagewerke der großen Automobilhersteller zu verlagern, um Lieferzeiten zu verkürzen, Logistikkosten zu senken und Lieferketten robuster zu machen.
Neil Boehm, Chief Operations Officer von Gentex, ordnete die Entscheidung im Rahmen der Ergebnispräsentation ein: Sie reagiere auf den Wunsch internationaler Kunden nach Zulieferern in unmittelbarer Nähe ihrer Fertigungsstandorte. Marokko biete sich dafür durch seine Nähe zu Europa, seine Hafen- und Logistikinfrastruktur sowie ein bereits leistungsfähiges Automobil-Ökosystem an. Boehm betonte zugleich, die neue Fabrik werde die Betriebskosten des Konzerns nicht wesentlich erhöhen: Sensible Kerntechnologien blieben an den bestehenden Standorten, das marokkanische Werk solle das globale Produktionsnetz lediglich ergänzen.
Weiterer Baustein im automobilen Zuliefernetz
Die Ansiedlung reiht sich in eine Serie internationaler Investitionen in Marokkos Automobilindustrie ein. Erst im Sommer hatte der deutsche Zulieferer Benteler in der Atlantic Free Zone bei Kénitra ein neues Werk für Karosserie- und Fahrwerksteile eröffnet. Das nordafrikanische Land hat sich in den vergangenen Jahren dank qualifizierter Arbeitskräfte, Freihandelsabkommen und wirtschaftlicher Stabilität als Produktionsstandort zwischen Europa, Afrika und dem Nahen Osten etabliert und beherbergt bereits große Hersteller wie Renault und Stellantis sowie ein dichtes Netz internationaler Zulieferer.
Finanziell steht Gentex nach eigenen Angaben solide da: Im zweiten Quartal 2026 erzielte der Konzern einen Umsatz von 651,3 Millionen US-Dollar bei einem Nettogewinn von 114,7 Millionen US-Dollar – trotz eines leichten Rückgangs der Automobilverkäufe in einzelnen europäischen und asiatischen Märkten. Das Unternehmen wertet den Schritt nach Marokko als strategischen Wachstumshebel für die kommenden Jahre.
Quellen: Morocco World News, Le7tv.ma


