
Marokkos Einstieg in die Batteriematerial-Produktion nimmt konkrete Formen an: Das Werk des chinesischen Herstellers CNGR Advanced Material in Jorf Lasfar hat im Juni erstmals die Marke von 1.000 Tonnen monatlicher Produktion überschritten. Die Anlage stellt nickelbasierte Vorprodukte für Elektroauto-Batterien her und ist Teil eines auf rund zwei Milliarden Dollar veranschlagten Gesamtprojekts, das Marokko zu einem zentralen Baustein der globalen Batterie-Lieferkette machen soll.
Gemeinschaftsunternehmen mit Al Mada in der Industriezone El Jadida
Betrieben wird die Anlage über COBCO, ein Gemeinschaftsunternehmen von CNGR und der marokkanischen Holding Al Mada. Der Standort in Jorf Lasfar bei El Jadida wurde nicht zufällig gewählt: Die Region bietet direkten Zugang zum Atlantikhafen für den Import von Rohstoffen und den Export der Fertigprodukte sowie kurze Wege zu erneuerbaren Energiequellen, die für die energieintensive Verarbeitung von Nickel und Kobalt benötigt werden. Die erste Produktionslinie des Werks erreichte im Juni ihren bislang höchsten Ausstoß und stellte mehr als 1.000 Tonnen nickelbasiertes Batteriematerial her – ein Etappenziel, das den Übergang von der Bauphase in den laufenden industriellen Betrieb markiert.
Ausbau auf 120.000 Tonnen Jahreskapazität geplant
Das Gesamtprojekt ist auf mehrere Bauphasen angelegt. Geplant sind eine jährliche Kapazität von 120.000 Tonnen nickelbasierter Materialien, 60.000 Tonnen Lithium-Eisen-Phosphat (LFP) sowie die Verarbeitung von 30.000 Tonnen recyceltem Batteriematerial. Zusammengenommen soll dies rechnerisch die Vorprodukte für rund 70 Gigawattstunden Batterieproduktion pro Jahr liefern – eine Größenordnung, die Marokkos Ambitionen im Bereich der Elektromobilität unterstreicht. Marokkos Industrieminister Ryad Mezzour ordnete das Projekt in die größere industriepolitische Strategie des Landes ein: „Marokko baut ein vollständiges, integriertes industrielles Ökosystem für Elektrofahrzeuge auf“, erklärte er.
Teil einer wachsenden Batterie- und Automobilindustrie
CNGR selbst zählt zu den größeren Akteuren der globalen Batteriematerial-Branche: Der Konzern meldete für das erste Halbjahr 2026 einen Umsatz von 33,58 Milliarden Yuan (rund 4,69 Milliarden Dollar), ein Plus von 57,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, bei einem weltweiten Versand von 155.900 Tonnen nickel- und kobaltbasierter Vorprodukte. Das Werk in Jorf Lasfar reiht sich damit in eine Reihe von Investitionsprojekten ein, mit denen Marokko seine bestehende Automobilindustrie um eine Batteriesparte erweitert – parallel zu Vorhaben wie der Gigafactory in der Region Rabat-Salé-Kénitra. Die Regierung setzt darauf, dass die heimische Weiterverarbeitung von Rohstoffen zu Batteriematerial dem Land einen größeren Anteil an der Wertschöpfungskette der Elektromobilität sichert, statt nur Rohstoffe zu exportieren oder fertige Fahrzeuge zusammenzubauen.
Quellen: Morocco World News, 7News Morocco


