
Marokkos staatliche Sozialversicherungskasse CNSS steht unter wachsendem finanziellem Druck: Der jährliche Überschuss der Kasse ist binnen eines Jahres um 40 Prozent eingebrochen – von 4 Milliarden Dirham im Jahr 2024 auf nur noch 2,4 Milliarden Dirham im Jahr 2025. Auf diese Entwicklung machte der Ökonom Zakaria Garti in einer Analyse auf seinem YouTube-Kanal aufmerksam und bezeichnete den Rückgang als eine Entwicklung, die dringend Aufmerksamkeit verdiene.
Auszahlungen wachsen schneller als Beiträge
Kern des Problems ist eine sich öffnende Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben: Während die Beitragseinnahmen der CNSS im Jahresvergleich um 5 Prozent zulegten, stiegen die Rentenauszahlungen im selben Zeitraum um 8 Prozent. Gleichzeitig verschiebt sich die demografische Basis der Kasse: Die Zahl der Rentenempfänger nahm um 8 Prozent zu, während die Zahl der gemeldeten, beitragspflichtigen Beschäftigten nur um 3,6 Prozent wuchs. Hinzu kommt, dass neue Rentner im Schnitt kürzer eingezahlt haben als frühere Jahrgänge: Die durchschnittliche Beitragsdauer bei Renteneintritt sank von 27,8 auf 26 Jahre.
Kapitalerträge brechen um drei Viertel ein
Noch deutlicher fällt der Rückgang bei den Erträgen aus den Reserven der Kasse aus: Die Kapitalerträge sanken um 74 Prozent, von 1,5 Milliarden Dirham auf nur noch rund 400 Millionen Dirham. Ein wesentlicher Grund liegt in der Anlagestrategie: Ein Großteil der CNSS-Reserven ist als Einlage bei der staatlichen Vermögensverwaltung CDG geparkt und an die Rendite marokkanischer Staatsanleihen gekoppelt, die derzeit bei lediglich rund 3 Prozent liegt. Als zusätzlicher Belastungsfaktor gilt laut Garti die bestehende Beitragsbemessungsgrenze von 6.000 Dirham Monatsgehalt, die verhindert, dass höhere Einkommen proportional stärker zur Finanzierung der Kasse beitragen.
Reformdruck vor den Wahlen
Die Warnung kommt zu einem heiklen Zeitpunkt: Nur wenige Wochen vor den Parlamentswahlen am 23. September rückt die langfristige Finanzierbarkeit des marokkanischen Rentensystems erneut in den Fokus. Sollte sich der Trend fortsetzen, dürfte die Debatte über eine Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze, eine Reform der Anlagestrategie der Reserven oder eine Anpassung des Renteneintrittsalters an Schärfe gewinnen. Eine offizielle Stellungnahme der CNSS oder der Regierung zu den von Garti vorgelegten Zahlen liegt bislang nicht vor.
Quellen: Morocco World News


