Marokkos Bekleidungsexporte in die EU: Weniger Menge, aber höhere Preise

Näherinnen an Nähmaschinen in einer Bekleidungsfabrik (Symbolbild)
Foto: Fahad Faisal, Lizenz CC BY-SA 4.0, Quelle: Wikimedia Commons

Marokkos Bekleidungsindustrie hat in den ersten fünf Monaten des Jahres 2026 Waren im Wert von rund 1,05 Milliarden Euro in die Europäische Union exportiert und damit erneut die Milliardenmarke übersprungen. Auffällig ist dabei eine Verschiebung im Detail: Während die exportierte Menge deutlich zurückging, stieg der durchschnittlich erzielte Preis pro Kilogramm kräftig. Marokko behauptet sich damit weiter als achtgrößter Bekleidungslieferant der EU, wie aus einer aktuellen Auswertung der Forschungsabteilung des türkischen Bekleidungsexporteursverbands Istanbul Apparel Exporters‘ Association hervorgeht.

Weniger Menge, aber deutlich höhere Preise

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sanken Marokkos Bekleidungsexporte in die EU von Januar bis Mai 2026 wertmäßig um 9 Prozent – von rund 1,16 Milliarden auf 1,05 Milliarden Euro. Noch stärker fiel der Rückgang bei der Exportmenge aus: Mit 40.693 Tonnen wurden 18,6 Prozent weniger verschifft als in den ersten fünf Monaten 2025, als noch knapp 49.964 Tonnen den Weg auf den europäischen Markt fanden. Der durchschnittliche Verkaufspreis kletterte im Gegenzug um 11,8 Prozent auf 25,90 Euro pro Kilogramm, verglichen mit 23,10 Euro im Vorjahr. Marokkos Marktanteil am gesamten EU-Bekleidungsimport stieg dadurch leicht von 2,6 auf 2,7 Prozent. Bei den klassischen Bekleidungswaren der Kapitel 61 und 62 – Textilien aus Gewirke und Gewebe – kam Marokko auf einen Exportwert von 1,03 Milliarden Euro bei einem Stückpreis von 31,70 Euro pro Kilogramm und behauptete damit ebenfalls Platz acht unter den EU-Lieferanten.

Standortvorteil Nähe zu Europa

Branchenbeobachter führen die relative Preisstabilität marokkanischer Ware vor allem auf die geografische Nähe zu den europäischen Absatzmärkten zurück. Kurze Lieferwege erlauben es Herstellern, schneller auf wechselnde Kollektionen und kurzfristige Nachbestellungen der europäischen Handelsketten zu reagieren – ein Vorteil im sogenannten Fast-Fashion-Geschäft, den asiatische Konkurrenten aus Bangladesch, Pakistan oder China kaum ausgleichen können. In einer früheren Analyse aus dem laufenden Jahr, die auf Eurostat-Daten beruht, hatte sich bereits gezeigt, dass Marokko seinen Preisverfall im internationalen Vergleich mit minus 1,8 Prozent deutlich stärker begrenzen konnte als etwa Bangladesch (minus 9,1 Prozent), China (minus 5,3 Prozent), Indien (minus 5,6 Prozent) oder gar Pakistan (minus 32,5 Prozent). Diese Widerstandsfähigkeit bleibt nach Einschätzung von Marktbeobachtern jedoch fragil, solange die Nachfrage in Europa insgesamt schwächelt.

Seit Jahren stabile Größenordnung

Über das Gesamtjahr betrachtet bewegt sich Marokkos Bekleidungshandel mit der EU seit einiger Zeit auf einem stabilen Niveau: 2024 erreichten die Exporte 2,795 Milliarden Euro bei 111.328 Tonnen, 2025 waren es 2,80 Milliarden Euro bei 114.844 Tonnen. Die Branche zählt zu den wichtigsten Arbeitgebern des Landes und ist eng mit dem Industrieverband AMITH sowie zahlreichen Zulieferbetrieben in Textilzentren wie Tanger, Casablanca und Fès vernetzt. Ob sich der Trend zu weniger Menge, aber höheren Stückpreisen im weiteren Jahresverlauf fortsetzt, dürfte auch davon abhängen, wie sich die Kaufzurückhaltung der europäischen Verbraucher und der Wettbewerbsdruck durch günstigere asiatische Anbieter entwickeln.

Quellen: Morocco World News, H24info, Barlamane

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