
Die nationale Wasser- und Forstbehörde ANEF (Agence Nationale des Eaux et Forêts) hat für sechs marokkanische Provinzen die höchste Warnstufe für Waldbrände ausgerufen. Von Freitag bis einschließlich Dienstag, dem 15. September, gilt in Fahs-Anjra, Tanger-Assilah, Taounate, Taza, Essaouira und Taroudant akute Waldbrandgefahr. Zusätzlich stehen 24 weitere Provinzen unter erhöhter Alarmstufe.
Von Tanger bis Agadir: Weite Landesteile betroffen
Die Warnung der ANEF deckt einen ungewöhnlich breiten Streifen des Landes ab. Neben den sechs Provinzen mit akuter Gefahrenstufe reicht die erhöhte Warnstufe von der Rif-Region über den Großraum Rabat-Salé bis in die Provinzen rund um Beni Mellal, Settat und Agadir-Ida Ou Tanane. Betroffen sind damit sowohl waldreiche Gebirgsregionen im Norden als auch landwirtschaftlich geprägte Zonen im Zentrum und Süden des Landes. Die Behörde stützt ihre Prognosen nach eigenen Angaben auf wissenschaftliche Modelle, die topoklimatische Parameter und die Brennbarkeit der Vegetation einbeziehen. Sie rief Anwohner in Waldnähe, Landarbeiter sowie Urlauber und Ausflügler ausdrücklich dazu auf, Vorsicht walten zu lassen und alle Aktivitäten zu vermeiden, die Feuer auslösen könnten. Rauchentwicklung oder verdächtiges Verhalten sollten umgehend den örtlichen Behörden gemeldet werden.
Mehr Brände, aber deutlich weniger verbrannte Fläche
Die aktuelle Warnung reiht sich in eine Saison ein, die nach ANEF-Zahlen ein zwiespältiges Bild zeichnet. Zwischen Januar und dem 20. Juli registrierte die Behörde landesweit 310 Waldbrände – ein Anstieg von rund 32 Prozent gegenüber dem Zehnjahresdurchschnitt von 233 Bränden. Die verbrannte Fläche fiel mit rund 1.850 Hektar dagegen etwa 30 Prozent geringer aus als im langjährigen Mittel von 2.660 Hektar. Als Ursache für die höhere Zahl an Bränden nennt die ANEF die außergewöhnlich ergiebigen Winterniederschläge, die zu dichterem Pflanzenwuchs führten; dieser trocknete während der Hitzewellen im Mai und Juni aus und lieferte reichlich Brennmaterial. Für den Rückgang der verbrannten Fläche machen Verantwortliche eine schnellere Branderkennung und ein besser koordiniertes Eingreifen von Innenministerium, Zivilschutz, Königlichen Streitkräften, Gendarmerie und Luftwaffe verantwortlich. Im regionalen Vergleich bleibt Marokko damit weit hinter den Zahlen europäischer Mittelmeerländer zurück: Spanien verzeichnete im laufenden Jahr über 104.000 verbrannte Hektar, Frankreich mehr als 42.000.
Erst kürzlich mehrere Brände im Norden
Erst Ende August hatten Einsatzkräfte im Rif nahe Chefchaouen einen mehrtägigen Waldbrand nur mit dem Einsatz von Hunderten Helfern und Löschflugzeugen unter Kontrolle gebracht. Die Region gilt wegen ihrer dichten Bewaldung und der sommerlichen Trockenheit traditionell als besonders anfällig. Mit der aktuellen roten Warnstufe für Taounate und Taza rückt nun erneut der Norden des Landes in den Fokus, während gleichzeitig die touristisch bedeutsame Region um Essaouira an der Atlantikküste betroffen ist.
Quellen: Middle East Monitor, Yabiladi, Morocco World News


