126 Megawatt aus Müll: Casablanca vergibt Bau eines Waste-to-Energy-Kraftwerks

Müllkraftwerk mit Schornstein und Stahlkonstruktion (Symbolbild)

Foto: Calistemon, Lizenz CC BY-SA 4.0, Quelle: Wikimedia Commons

Casablancas jahrelanges Müllproblem soll künftig Teil der Lösung für die Energieversorgung der Metropole werden: Ein internationales Konsortium hat den Zuschlag für Bau und Betrieb einer großen Waste-to-Energy-Anlage nordwestlich der Deponie Médiouna erhalten. Das Kraftwerk soll jährlich 1,5 Millionen Tonnen nicht recycelbaren Abfall verarbeiten und daraus 126 Megawatt Strom erzeugen – genug, um einen erheblichen Teil des Energiebedarfs von Groß-Casablanca zu decken.

Internationales Konsortium mit Erfahrung

Den Ingenieur-, Beschaffungs- und Bauauftrag (EPC) erhielt das libanesische Unternehmen BUTEC gemeinsam mit dem Schweizer Spezialisten für Abfall-zu-Energie-Technologie Kanadevia Inova. BUTEC übernimmt dabei die Hochbauarbeiten, Nebengebäude, technische Gebäudeausrüstung sowie die Außeninfrastruktur des Projekts. Raymond Daou, Senior Vice President für Strategie und Geschäftsentwicklung bei BUTEC, kommentierte den Zuschlag: „BUTEC etabliert sich als bevorzugter Generalunternehmer in diesem strategischen Sektor.“ Die Konzession für den Betrieb der Anlage liegt bei einem Konsortium aus dem marokkanischen Energieunternehmen Nareva, Kanadevia Inova und der japanischen Itochu Corporation, die gemeinsam mit der Stadt Casablanca das Projekt über eine Laufzeit von 33,5 Jahren betreiben werden. Damit zählt das Vorhaben zu den langfristigsten Infrastrukturkonzessionen, die die Stadtverwaltung derzeit vergibt.

Entlastung für die überlastete Deponie Médiouna

Groß-Casablanca mit seinen mehr als 4,2 Millionen Einwohnern produziert nach Konsortiumsangaben rund 4.000 Tonnen Hausmüll pro Tag, etwa 70 Prozent davon organisches Material. Bislang landet der Großteil auf der Deponie Médiouna, gegen die Anwohner seit Jahren wegen Geruchsbelästigung, Ungezieferbefall und Sorgen um eine mögliche Grundwasserverschmutzung protestieren. Die neue Anlage soll die Deponie spürbar entlasten, indem große Mengen des bislang deponierten Abfalls stattdessen energetisch verwertet werden. Nach Angaben der Projektpartner soll die Verbrennung zudem pro verarbeiteter Tonne Abfall bis zu einer Tonne CO2-äquivalent an Emissionen einsparen, verglichen mit der bisherigen unbehandelten Ablagerung auf der Deponie – ein Effekt, der angesichts der Menge an organischem Material im Casablanca-Müll besonders ins Gewicht fällt.

Teil von Marokkos Klima- und Energiestrategie

Das Projekt reiht sich in Marokkos Bemühungen ein, Treibhausgasemissionen zu senken und die Abfallwirtschaft zu modernisieren. Fertigstellung und Inbetriebnahme sind laut Branchenberichten für das Jahr 2030 vorgesehen. Für Casablanca wäre die Anlage eines der größten Infrastrukturprojekte im Bereich der Kreislaufwirtschaft im Land und könnte als Vorbild für ähnliche Projekte in anderen marokkanischen Großstädten dienen, die vor vergleichbaren Entsorgungsproblemen stehen. Bis zur geplanten Fertigstellung 2030 bleibt die Deponie Médiouna jedoch vorerst der zentrale Anlaufpunkt für den Hausmüll der Millionenmetropole.

Quellen: Hespress English, APO Group / Africa Newsroom, Waste Management World

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