UNHCR-Bericht: Marokko festigt Rolle als wichtiges Asylland für über 23.600 Schutzsuchende

Sudanesische Geflüchtete stehen bei einer Lebensmittelverteilung Schlange (Symbolbild, Tschad)
Foto: Foreign, Commonwealth & Development Office, Lizenz CC BY 2.0, Quelle: Wikimedia Commons

Marokko festigt einem neuen UNHCR-Bericht zufolge seine Rolle als wichtiges Asylland an der Schnittstelle zwischen mediterranen und atlantischen Migrationsrouten. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks waren zum 30. Juni 2026 landesweit 23.615 Flüchtlinge und Asylsuchende aus mehr als 60 Ländern registriert – darunter 10.538 anerkannte Flüchtlinge und 13.077 Menschen, deren Asylantrag noch geprüft wird.

Sudanesische Staatsangehörige stellen mit Abstand größte Gruppe

Die mit Abstand größte Gruppe bilden sudanesische Staatsangehörige mit 6.816 registrierten Personen, gefolgt von syrischen (5.239), guineischen (2.066), elfenbeinischen (1.755) und zentralafrikanischen (1.357) Schutzsuchenden. Laut UNHCR machten Sudanesinnen und Sudanesen allein 68 Prozent aller Neuregistrierungen des laufenden Jahres aus, mit durchschnittlich 233 neuen Fällen pro Monat. Der starke Anstieg hängt unmittelbar mit dem seit 2023 andauernden Krieg im Sudan zusammen, der bereits zuvor zu einer der größten Vertreibungskrisen weltweit geführt hat und seit 2024 auch in Marokko spürbar zu einem Anstieg der Asylanträge beigetragen hat.

Besonders besorgniserregend ist laut UNHCR der Anteil unbegleiteter Kinder: Etwa jede neunte neu registrierte Person ist ein Kind ohne erwachsene Begleitung, was nach Einschätzung der Organisation ein “erhöhtes Schutzrisiko” darstellt und besondere Anforderungen an Aufnahme und Betreuung stellt.

“Schutz- und Teilhaberaum” statt reines Transitland

In seiner Einschätzung beschreibt das UNHCR Marokko nicht länger nur als Transitstation auf dem Weg nach Europa, sondern zunehmend als eigenständiges Zielland des Asyls. Das Land biete Schutzsuchenden einen “Schutz- und Teilhaberaum” inmitten regionaler Instabilität, heißt es in der Bewertung der UN-Organisation, die zugleich auf eine “enge Partnerschaft” verweist, die in den vergangenen Jahren bei humanitären Initiativen zum Schutz von Migrantinnen und Migranten aufgebaut worden sei.

Die Zahlen fügen sich in ein breiteres Bild der marokkanischen Migrationspolitik ein, die zuletzt von zwei gegenläufigen Entwicklungen geprägt war: Während Rabat einerseits – wie erst kürzlich mit einem ersten Rückführungsflug nach Khartum – die freiwillige Rückkehr von Migranten ohne Bleibeperspektive unterstützt, wächst andererseits die Zahl der Menschen, die im Land selbst dauerhaft Schutz vor Krieg und Verfolgung suchen und einen regulären Asylstatus erhalten. Beide Trends verdeutlichen den wachsenden Stellenwert, den Marokko in der regionalen Migrationsarchitektur zwischen Subsahara-Afrika und Europa einnimmt.

Der jüngste UNHCR-Bericht dürfte den Druck auf marokkanische Behörden und internationale Partner erhöhen, Aufnahmekapazitäten, Bildungs- und Gesundheitsangebote sowie Kinderschutzprogramme weiter auszubauen – insbesondere angesichts der Prognose, dass die Zahl sudanesischer Schutzsuchender angesichts der anhaltenden Kampfhandlungen im Heimatland weiter steigen dürfte.

Quellen: Morocco World News, Yabiladi English

Nach oben scrollen