Luft wird unerträglich: Brand auf Deponie Ouled Berjal legt Kénitra in Rauch

Brennende Mülldeponie mit aufsteigendem Rauch nahe Wohnhäusern (Symbolbild)
Foto: Bibiire1, Lizenz CC BY-SA 4.0, Quelle: Wikimedia Commons

In Kénitra klagen Bewohner seit Tagen über beißenden Rauch und stechenden Gestank, der über weite Teile der Stadt zieht. Auslöser ist ein Brand auf der Mülldeponie Ouled Berjal am Stadtrand, wo seit über 30 Jahren Abfälle aus mehreren Provinzen der Region abgelagert werden. Die Stadtverwaltung bestätigte am 11. September offiziell einen „Vorfall“ auf dem Gelände und kündigte eine Untersuchung unter Aufsicht der Staatsanwaltschaft an, um die Ursache des Feuers zu klären.

Anwohner klagen über Atembeschwerden

Zahlreiche Einwohner beschreiben den Geruch als „extrem stark und unerträglich“. Berichtet werden brennende Augen, Tränenfluss, ein Engegefühl im Hals und Atembeschwerden. Besonders betroffen seien Kinder, ältere Menschen und Personen mit Vorerkrankungen der Atemwege. Nach Angaben aus der Region wurden im Provinzkrankenhaus El Zamouri mehrere Fälle akuter Atemwegsbeschwerden registriert, die mit der Rauchbelastung in Verbindung gebracht werden.

Der Umweltaktivist Ayoub Krir erklärte, die Verbrennung betreffe nicht nur gewöhnlichen Hausmüll, sondern nach seinen Angaben auch medizinische und chemische Abfälle, was den Rauch besonders gesundheitsschädlich mache. Diese Einschätzung stammt von einem lokalen Aktivisten und wurde bislang nicht durch eine unabhängige behördliche Analyse bestätigt.

Deponie seit Jahren überlastet

Die Deponie Ouled Berjal gilt schon länger als Problemfall: Sie ist seit über drei Jahrzehnten in Betrieb, hat ihre eigentliche Kapazitätsgrenze nach Angaben von Anwohnern und lokalen Beobachtern längst überschritten und versorgt mehrere Provinzen der Region Rabat-Salé-Kénitra. Zugesagte Modernisierungsmaßnahmen und der Bau einer neuen Entsorgungsinfrastruktur verzögern sich seit Jahren, während die Menge des angelieferten Mülls kontinuierlich steigt.

Um den Brand unter Kontrolle zu bringen, mobilisierten die Behörden nach Angaben der Provinzverwaltung insgesamt 31 Fahrzeuge: 16 stellte die für den Betrieb der Deponie zuständige Verwaltungsgesellschaft mit Baggern und Planierraupen, 15 weitere kamen von den Provinzbehörden, darunter Lastwagen und Traktoren. Die Löscharbeiten und die Abdeckung glimmender Müllberge sollen verhindern, dass sich der Brand erneut ausbreitet und weiterer Rauch entsteht.

Untersuchung soll Ursache klären

Die Kommunalverwaltung von Kénitra teilte mit, die laufende Untersuchung solle klären, wie es zu dem Vorfall kommen konnte und ob Nachlässigkeiten beim Betrieb der Deponie eine Rolle spielten. Ein Ergebnis der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen steht bislang aus. Bewohner und zivilgesellschaftliche Gruppen fordern unterdessen eine schnellere Umsetzung der seit Langem angekündigten Modernisierung der städtischen Abfallentsorgung, um wiederkehrende Vorfälle dieser Art künftig zu vermeiden.

Feuer schwelt eine Woche später weiter

Auch mehr als eine Woche nach Ausbruch des Brandes ist die Lage in Kénitra nicht unter Kontrolle: Nach Berichten vom 19. September glimmen auf dem Gelände weiterhin einzelne Brandherde, obwohl die Behörden inzwischen 31 Fahrzeuge im Einsatz haben – darunter Bagger, Planierraupen, Lastwagen und Lader der Betreibergesellschaft sowie der Provinzverwaltung. Anwohner berichten unverändert von beißendem Geruch, Augenreizungen und Atembeschwerden; im Provinzkrankenhaus El Zamouri wurden erneut Patienten mit Atemwegsbeschwerden behandelt. Als besonders gefährdet gelten weiterhin Kinder, ältere Menschen sowie Personen mit Asthma oder Allergien.

Verbraucherschützer kritisieren Informationspolitik

Die marokkanische Vereinigung zum Schutz und zur Beratung von Verbrauchern kritisierte die Behörden für aus ihrer Sicht „unzureichende Informationen“ über die gesundheitlichen Risiken des Brandes. Nach Angaben der Organisation habe die Schadstoffbelastung in der Umgebung zeitweise ein Niveau von über 63 Prozent erreicht – Angaben zur genauen Messmethode blieben dabei offen. Zusätzliche Sorge bereitet die Lage der seit 1972 betriebenen Deponie: Sie liegt nur rund 250 Meter vom Flussbett des Sebou entfernt, der Grundwasserspiegel befindet sich stellenweise weniger als drei Meter unter der Oberfläche, und der sandige Boden begünstigt das Eindringen kontaminierter Sickerflüssigkeit – in unmittelbarer Nähe verläuft zudem eine Trinkwasserleitung. Ergebnisse der staatsanwaltschaftlichen Untersuchung zur Brandursache stehen weiterhin aus.

Quellen: Hespress Français, Hespress English

Nach oben scrollen