
Marokkos Staatshaushalt hat zu Ende August 2026 ein Defizit von 56,9 Milliarden Dirham (MMDH) erreicht. Das geht aus dem monatlichen Bulletin der Staatskasse (Trésorerie Générale du Royaume, TGR) hervor. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres hatte die Lücke noch bei 54,1 Milliarden Dirham gelegen – ein Anstieg um 2,8 Milliarden Dirham beziehungsweise 5,2 Prozent. Grundlage der Berechnung ist die Gegenüberstellung von Einnahmen und Ausgaben des Staatshaushalts, nach Berücksichtigung eines positiven Saldos von 16,8 Milliarden Dirham aus den Sonderkonten der Staatskasse.
Steuereinnahmen legen zweistellig zu, Ausgaben wachsen schneller
Die laufenden Einnahmen des Staates stiegen um 5,5 Prozent auf 286,6 Milliarden Dirham. Besonders kräftig entwickelten sich dabei die direkten Steuern mit einem Plus von 12,7 Prozent sowie die Registrierungs- und Stempelgebühren mit 12,6 Prozent. Auch die indirekten Steuern legten um 8 Prozent zu, während die nichtsteuerlichen Einnahmen um 27,4 Prozent einbrachen. Diesem Zuwachs bei den Steuereinnahmen steht jedoch ein noch schnelleres Ausgabenwachstum gegenüber: Die Gesamtausgaben des allgemeinen Haushalts erreichten 397,5 Milliarden Dirham, ein Plus von 10,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Treiber waren vor allem die Betriebsausgaben (plus 13,2 Prozent) und die Investitionsausgaben (plus 8,2 Prozent), während der Schuldendienst um 3,8 Prozent zulegte – bei den Zinszahlungen waren es 3,4 Prozent, bei den Tilgungen 4,1 Prozent.
Zolleinnahmen legen um 7,1 Prozent zu
Auch die Zolleinnahmen wuchsen deutlich: Sie erreichten zu Ende August 69,69 Milliarden Dirham, ein Plus von 7,1 Prozent im Jahresvergleich. Davon entfielen 11,78 Milliarden Dirham auf Zollgebühren (plus 8,8 Prozent), 43,32 Milliarden Dirham auf die Einfuhrmehrwertsteuer (plus 6,9 Prozent) und 14,57 Milliarden Dirham auf Abgaben auf Energieprodukte (plus 6,6 Prozent). Nach Angaben der TGR liegt die bisherige Einnahmenrealisierung damit bei 68,3 Prozent der im Haushaltsgesetz veranschlagten Werte, während die laufenden Ausgaben bereits zu 72 Prozent und die Investitionsausgaben zu 57,6 Prozent der Jahresplanung ausgeschöpft sind.
Regierung hält an Defizitziel von 3 Prozent fest
Finanzministerin Nadia Fettah hatte dem Parlament im Sommer ein Wirtschaftswachstum von 5,3 Prozent sowie ein Haushaltsdefizit von 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für das laufende Jahr 2026 in Aussicht gestellt. Ob dieses Ziel angesichts der bereits zur Jahresmitte spürbar gestiegenen Ausgabendynamik erreichbar bleibt, dürfte sich erst in den kommenden Monaten zeigen. Die Zahlen fallen in eine politisch sensible Phase: Nur eine Woche vor der Parlamentswahl am 23. September dürften die öffentlichen Finanzen im laufenden Wahlkampf weiter unter genauer Beobachtung stehen, zumal mehrere Parteien milliardenschwere Sozial- und Investitionsprogramme für die kommende Legislaturperiode angekündigt haben.


