Ein Tag vor der Wahl: Wer könnte Marokkos nächster Regierungschef werden?

Das marokkanische Parlamentsgebäude in Rabat

Foto: Fernando Pascullo, Lizenz CC BY-SA 4.0, Quelle: Wikimedia Commons

Einen Tag vor der Wahl am 23. September richtet sich der Blick in Marokko zunehmend auf die Frage, die am Ende über allem steht: Wer wird den König bitten dürfen, die nächste Regierung zu bilden? Laut Verfassung ernennt Mohammed VI. den Regierungschef aus der Partei, die als stärkste Kraft aus der Abstimmung über die 395 Sitze des Abgeordnetenhauses hervorgeht. 15,8 Millionen Wahlberechtigte und 7.288 Kandidatinnen und Kandidaten aus 27 Parteien treten dafür an.

Drei Parteien, mehrere Namen im Rennen

Bei der regierenden RNI will der amtierende Regierungschef Aziz Akhannouch trotz seines jüngsten Rückzugs von der Parteispitze offenbar ein weiteres Mandat anstreben. Als weibliche Alternative wird in marokkanischen Medien auch Wirtschafts- und Finanzministerin Nadia Fettah Alaoui gehandelt. Sollte die Istiqlal-Partei vorn liegen, gilt Parteichef Nizar Baraka als naheliegender Konsenskandidat für das Amt.

Bei der PAM ist es vor allem ein Name, der seit Tagen für Gesprächsstoff sorgt: Fatima Ezzahra El Mansouri, Koordinatorin der kollegialen Parteiführung. An ihrer Seite wirbt auch der frühere Fußballverbandschef Fouzi Lekjaa, der erst im August zur PAM gestoßen war, in Wahlkampfauftritten für die Partei.

Mansouri: Marokkos erste Regierungschefin?

Die Juristin ist seit den Anfangsjahren der PAM Mitglied, war zweifach Bürgermeisterin von Marrakesch, saß im Parlament und war bereits Ministerin. Auf die wiederholte Frage, ob sie sich selbst als künftige Regierungschefin sehe, reagierte sie zuletzt mit einer Gegenfrage: Warum die Fähigkeiten einer Politikerin infrage gestellt würden, sobald es um ein solches Amt gehe – ein Vorwurf, den sie männlichen Amtsanwärtern in dieser Form nicht ausgesetzt sieht. Den Führungsanspruch ihrer Partei formulierte sie klar: Es sei nur natürlich, dass der Ehrgeiz der PAM darin bestehe, als Erste durchs Ziel zu gehen, betonte Mansouri, fügte zugleich aber an, es gehe ihr nicht um ein Amt als Selbstzweck.

Sollte die PAM am Mittwoch tatsächlich stärkste Kraft werden, wäre Mansouri laut marokkanischen Medienberichten die erste Frau an der Spitze der Regierung seit deren Gründung vor 71 Jahren – ein historischer Einschnitt, über den in Rabat bereits seit Tagen spekuliert wird, obwohl eine offizielle Kandidatur für das Amt bislang nicht verkündet wurde.

Opposition ohne realistische Machtoption

Auch Vertreter der Opposition treten mit Führungsanspruch an, allen voran PJD-Chef Abdelilah Benkirane, der eine Rückkehr an die Regierungsspitze anstrebt, sowie USFP-Generalsekretär Driss Lachgar und PPS-Generalsekretär Nabil Benabdallah. Strukturell gilt ihr Weg dorthin jedoch als deutlich steiniger: Die USFP hatte ein Bündnis mit der PJD zuvor bereits ausgeschlossen, und die aktuellen Umfragen sehen die derzeitige Regierungskoalition aus RNI, PAM und Istiqlal insgesamt in einer stärkeren Ausgangsposition.

Welche dieser Personalien am Ende tatsächlich zum Zuge kommt, entscheidet sich erst mit der Stimmabgabe an diesem Mittwoch – und den Koalitionsverhandlungen, die danach folgen dürften.

Quellen: Le360, L’Observateur, Hespress

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