Marokko wählt: 15,8 Millionen Menschen entscheiden über neues Parlament

Das marokkanische Parlamentsgebäude in Rabat, geschmückt mit Landesflaggen
Foto: Fernando Pascullo, Lizenz CC BY-SA 4.0, Quelle: Wikimedia Commons

Marokko wählt: Am Mittwoch, den 23. September, öffnen im Königreich rund 40.700 Wahlbüros ihre Türen für die zwölfte Parlamentswahl seit der Unabhängigkeit – und die erste seit den heftigen Jugendprotesten der Bewegung GenZ 212 im vergangenen Jahr. Zwischen 8 und 19 Uhr entscheiden 15,8 Millionen registrierte Wählerinnen und Wähler über die Zusammensetzung des Abgeordnetenhauses und damit über die politische Kräfteverteilung, aus der König Mohammed VI. anschließend den künftigen Regierungschef ernennt.

7.288 Kandidaten kämpfen um 395 Sitze

Insgesamt treten 28 Parteien, ein Parteienbündnis sowie zwei unabhängige Listen an, verteilt auf 1.850 Kandidatenlisten mit 7.288 Bewerberinnen und Bewerbern – statistisch mehr als 18 pro Sitz. Von den 395 Mandaten werden 305 in lokalen Wahlkreisen vergeben, 90 weitere sind Frauen in regionalen Wahlkreisen vorbehalten. Insgesamt treten 2.658 Frauen an. 227 amtierende Abgeordnete bewerben sich um eine Wiederwahl. Die Wahl wird von 3.006 akkreditierten Beobachtern begleitet, unter ihnen eine internationale Delegation unter Leitung des früheren US-Außenamtsbeamten David Schenker.

Vertrauenskrise und Kaufkraft als zentrale Themen

Im Wahlkampf standen vor allem Kaufkraft, Arbeitsplätze für Jugendliche und Frauen, der Ausbau der Sozialversicherung sowie steuerliche Erleichterungen für einkommensschwache Haushalte im Mittelpunkt – dazu schärfere Strafen für Wahlvergehen und neue Regeln gegen Desinformation durch soziale Medien und KI-generierte Inhalte. Der Urnengang findet vor dem Hintergrund einer tiefen Vertrauenskrise bei jungen Marokkanerinnen und Marokkanern statt: Einer Afrobarometer-Erhebung vom März 2026 zufolge vertraut nur etwa ein Drittel der 18- bis 35-Jährigen dem Parlament, dem Regierungschef oder den Parteien. Der Politikanalyst Mohamed Masbah ordnete den massenhaften Ansturm auf die spanische Exklave Ceuta im Juli, bei dem rund 80.000 Menschen die Grenze zu überrennen versuchten, in diesem Zusammenhang als „eine neue Form sozialen Protests“ ein, „bei der viele Bürger einen physischen Ausstieg aus der marokkanischen Politik insgesamt demonstrierten“.

Palastnahe Parteien favorisiert, Regierungschef-Frage offen

Als aussichtsreichste Kräfte gelten die beiden palastnahen Parteien RNI und PAM, die gemeinsam rund eine Million neue Arbeitsplätze und Infrastrukturinvestitionen von etwa 20 Milliarden Dollar im Vorfeld der Fußball-WM 2030 versprechen, die Marokko gemeinsam mit Spanien und Portugal ausrichtet. Wer am Ende ins Rennen um das Amt des Regierungschefs geht, blieb bis zuletzt offen – im Gespräch sind neben dem amtierenden RNI-Regierungschef Aziz Akhannouch auch PAM-Spitzenvertreterin Fatima Ezzahra El Mansouri und Istiqlal-Chef Nizar Baraka. Ergebnisse werden nach Schließung der Wahllokale um 19 Uhr erwartet; erst danach entscheidet sich, welche Partei den König um die Regierungsbildung bitten darf.

Quellen: The National, Hespress, Belpresse

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