Marokko trauert um Abdelali Benamour: HEM-Gründer und Wettbewerbsrats-Pionier stirbt mit 85

Präsidiumsgebäude der Universität Mohammed V in Rabat
Foto: Ftpmail, Lizenz CC BY-SA 4.0, Quelle: Wikimedia Commons

Marokko trauert um einen seiner einflussreichsten Wirtschaftswissenschaftler und Bildungsreformer: Abdelali Benamour, Gründer der privaten Wirtschaftshochschule HEM und ehemaliger Präsident des marokkanischen Wettbewerbsrats, ist am vergangenen Donnerstag im Alter von 85 Jahren gestorben. Das berichteten mehrere marokkanische Medien am Freitag übereinstimmend. Benamour prägte über Jahrzehnte sowohl die akademische Ausbildung als auch die Wirtschaftsregulierung des Landes.

Vom Sorbonne-Absolventen zum Hochschulgründer

Geboren 1941, promovierte Benamour 1968 an der Sorbonne in Paris in Wirtschaftswissenschaften. Zurück in Marokko lehrte er von 1966 bis 2001 an der Mohammed-V-Universität in Rabat sowie an der Hassan-II-Universität in Casablanca und leitete zwischen 1971 und 1976 die renommierte Handelshochschule ISCAE. 1988 gründete er schließlich HEM (Institut des Hautes Études de Management), das sich seither zu einer der führenden privaten Managementhochschulen Marokkos entwickelt hat. Daneben war Benamour Mitglied im Verwaltungsrat der Zentralbank Bank Al-Maghrib und Mitglied der Sonderkommission für Bildung und Ausbildung (COSEF), die in den 1990er-Jahren die marokkanische Bildungsreform mit vorbereitete. Als Autor veröffentlichte er zudem mehrere Bücher zur marokkanischen Wirtschafts- und Bildungspolitik, darunter „Intermédiation financière et développement économique du Maroc“ und „Repenser l’École“.

Vom beratenden Gremium zur Regulierungsbehörde

Große Bekanntheit erlangte Benamour ab August 2008 als Präsident des marokkanischen Wettbewerbsrats (Conseil de la concurrence). In dieser Funktion setzte er sich über Jahre hinweg dafür ein, die zunächst rein beratende Institution in eine schlagkräftige Regulierungsbehörde mit eigenen Untersuchungs- und Sanktionsbefugnissen umzuwandeln. Dieser Einsatz trug 2014 Früchte, als das Gesetz 20-13 verabschiedet wurde: Es stattete den Wettbewerbsrat erstmals mit dem Recht aus, Verfahren aus eigener Initiative einzuleiten, und stärkte damit seine Rolle als unabhängige Kontrollinstanz der marokkanischen Wirtschaft erheblich.

Politisches Engagement und Vermächtnis

Neben seiner akademischen und regulatorischen Laufbahn war Benamour auch politisch aktiv: Er saß für die sozialistische USFP als Abgeordneter aus Casablanca im Parlament und war zudem Mitglied des dortigen Gemeinderats. Von 1995 bis 2002 stand er zudem der Vereinigung „Alternatives“ vor, die sich für wirtschaftliche und soziale Reformen in Marokko einsetzte. Marokkanische Kommentatoren würdigten Benamour nach Bekanntwerden seines Todes übereinstimmend als einen der prägendsten Vordenker des Landes in Fragen der Wirtschaftsregulierung und der höheren Bildung – ein Erbe, das in der von ihm gegründeten Hochschule HEM und im heutigen, deutlich einflussreicheren Wettbewerbsrat fortlebt.

Quellen: Le360, Le Matin, H24info

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