
Verbände von Fremdspediteuren an Marokkos Häfen haben angekündigt, ab dem 14. September in einen unbefristeten Streik zu treten, sollte die Regierung bis dahin keine ernsthaften Verhandlungen aufnehmen. In einer gemeinsamen Erklärung teilten die Branchenverbände mit, der Arbeitsausstand solle so lange andauern, bis die Behörden auf langjährige finanzielle und regulatorische Forderungen eingehen. Das Vorhaben wurde dem Büro des Regierungschefs sowie den Ministerien für Inneres, Verkehr und Finanzen offiziell angekündigt.
Streit um Dieselzuschuss im Zentrum
Kern des Konflikts ist die staatliche Kraftstoffbeihilfe für Straßentransportunternehmen. Die Hafenspediteure bemängeln, die Unterstützung belaufe sich auf umgerechnet rund 0,50 Dirham pro Liter Diesel – aus ihrer Sicht deutlich zu wenig, um die gestiegenen Betriebskosten auszugleichen. Gefordert werden eine Anhebung des Zuschusses sowie eine regelmäßige, monatliche Auszahlung.
Die Kraftstoffhilfe ist seit Längerem ein Streitpunkt in der marokkanischen Transportbranche, da die Dieselpreise gestiegen sind und einzelne Zahlungen nach Angaben der Verbände verspätet oder gekürzt erfolgten. Erst kürzlich hatten sich andere Frachtgewerkschaften gegen Pläne gewandt, eine ausstehende Zuschussrate für die zweite Julihälfte um 40 Prozent gegenüber vorherigen Zahlungen zu kürzen.
Vorwürfe zu Mehrwertsteuer und Förderprogramm
Ein weiterer Streitpunkt betrifft die Liquidität der Unternehmen: Die Verbände kritisieren, dass 75 Prozent der auf bestimmte Transaktionen anfallenden Mehrwertsteuer direkt an der Quelle einbehalten würden. Dieser Mechanismus entziehe den Firmen dringend benötigte Mittel für den laufenden Betrieb. Zusätzlich beklagen die Spediteure, das staatliche Förderprogramm zur Erneuerung und Verschrottung älterer Lastwagen sehe zu niedrige Zuschüsse vor.
Nach Angaben der Verbände verlangten die Steuerbehörden zudem von einigen Empfängern dieser Fördergelder inzwischen eine Rückzahlung der darin enthaltenen Mehrwertsteuer – wodurch die betroffenen Unternehmen mit ungeklärten Steuerschulden dastehen und keine steuerlichen Unbedenklichkeitsbescheinigungen erhalten, die für viele Geschäftsvorgänge notwendig sind.
Drohende Folgen für Import und Export
Sollte es tatsächlich zu dem angekündigten unbefristeten Ausstand kommen, drohen spürbare Verzögerungen beim Warenverkehr an Marokkos Häfen – sowohl bei Importen als auch bei Exporten, die für die exportorientierte marokkanische Wirtschaft von zentraler Bedeutung sind. Wie stark die Auswirkungen ausfallen würden, hängt maßgeblich davon ab, ob sich Regierung und Branchenverbände in den kommenden Tagen noch auf Gespräche einigen können. Bislang liegt keine öffentliche Reaktion der zuständigen Ministerien auf die Ankündigung vor.
Die Auseinandersetzung um die Dieselbeihilfe reicht über den aktuellen Streitfall hinaus: Bereits in den vergangenen Monaten hatten Transportverbände wiederholt vor Arbeitsniederlegungen gewarnt, sollte die Regierung die Unterstützung nicht anpassen. Der für den 14. September angekündigte Ausstand markiert nun die bislang konkreteste Zuspitzung dieses langjährigen Konflikts zwischen Straßentransportbranche und Staat.
Quellen: Hespress English
Update vom 10. September 2026: Taxifahrer schließen sich dem Protest an
Am 9. September 2026 ist dem Konflikt um die Dieselbeihilfe eine weitere Berufsgruppe beigetreten: Eine gewerkschaftliche Koordination von Taxifahrern reichte eine offizielle Beschwerde ein und kritisierte darin scharf die von der Regierung beschlossene Kürzung der Beihilfe für Straßentransportprofis um 40 Prozent. In der Erklärung heißt es, die plötzliche Kürzung „ohne Absprache oder vorherige Ankündigung stelle eine Missachtung der Interessen Tausender Berufstätiger und ihrer Familien dar“. Die Koordination betonte zudem, die Unterstützung „sei weder eine Gefälligkeit noch ein Privileg für die Berufstätigen“ gewesen, sondern ein notwendiger Ausgleich für gestiegene Betriebskosten.
Die Taxifahrer riefen alle Gewerkschafts- und Berufsverbände des Straßentransportsektors in Marokko dazu auf, „ihre Reihen zu vereinen und eine gemeinsame Position einzunehmen“. Die Beschwerde reiht sich damit in die Proteste der Hafenspediteure und Frachtgewerkschaften ein, die für den 14. September mit einem unbefristeten Streik drohen, sollte die Regierung bis dahin keine ernsthaften Verhandlungen aufnehmen. Der Streit um die nur 0,50 Dirham pro Liter Diesel betragende Kraftstoffbeihilfe weitet sich damit nur wenige Tage vor dem angekündigten Ausstand auf immer mehr Teile der Transportbranche aus. Eine öffentliche Reaktion der zuständigen Ministerien steht weiterhin aus.
Quellen: Hespress FR, Hespress English


