6.000 Kameras, 1.800 mit KI: ONCF plant Sicherheitsnetz für Marokkos Bahn bis 2030

Hochgeschwindigkeitszug Al Boraq der ONCF am Bahnhof Tanger-Ville
Foto: NicholasNCE, Lizenz CC BY-SA 4.0, Quelle: Wikimedia Commons

Marokkos staatliche Bahngesellschaft ONCF treibt die Digitalisierung ihrer Sicherheitsarchitektur voran: Am 8. September 2026 schrieb das Unternehmen eine Studie zur Entwicklung eines „Nationalen Masterplans für Videoüberwachung, Künstliche Intelligenz und Hypervision“ bis 2030 aus. Am Ende des Prozesses soll ein landesweites Netz aus rund 6.000 Kameras stehen, von denen etwa 1.800 – knapp ein Drittel – mit KI-Funktionen ausgestattet werden. Der Auftrag für die reine Planungsstudie hat ein Volumen von 1,08 Millionen Dirham (rund 108.000 US-Dollar); die eigentliche Beschaffung von Kameras und Software soll erst nach Freigabe des Masterplans folgen.

Bahnhöfe und Hochgeschwindigkeitsstrecke im Fokus

Laut Ausschreibung entfällt der größte Anteil der geplanten Kameras auf die Bahnhöfe (35 Prozent, rund 2.100 Kameras) sowie auf die Hochgeschwindigkeitsstrecke (25 Prozent, etwa 1.500 Kameras). Je zehn Prozent der Anlagen sind für das klassische Streckennetz, den Vorortverkehr RER, technische Zentren sowie das rollende Material vorgesehen. Die KI-Systeme sollen künftig Menschenansammlungen und Gedränge erkennen, verdächtige oder zurückgelassene Gegenstände identifizieren, Hindernisse auf den Gleisen melden, Brandherde detektieren und unbefugte Zutrittsversuche zu Sperrzonen registrieren – Aufgaben, die bislang weitgehend auf menschliche Beobachtung angewiesen waren.

Teil einer umfassenderen Sicherheitsstrategie

Die Ausschreibung ist die jüngste Etappe einer Sicherheitsstrategie, die ONCF bereits Ende 2025 vorgestellt hatte. Ziel ist eine Reduzierung der Vorfälle im Bahnbetrieb um 60 Prozent bis 2030; für 2025 hatte die Gesellschaft bereits einen Rückgang um 7 Prozent vermeldet. Wiame Ghrabi, Direktorin für Sicherheitsstrategie bei ONCF, erklärte dazu, der Plan bedeute „eine grundlegende Überarbeitung der Überwachungs- und Präventionssysteme“ mit dem Ziel, „von einem reaktiven zu einem proaktiven Sicherheitsmodell“ überzugehen. Neben der Video- und KI-Überwachung sollen dafür auch vernetzte Drohnen für sensible Streckenabschnitte sowie intelligente Glasfasersensoren zur Erkennung von Eindringlingen zum Einsatz kommen.

Milliardenprogramm mit Blick auf die WM 2030

Die Sicherheitsoffensive ist Teil eines Investitionsprogramms von insgesamt 96 Milliarden Dirham (etwa 9,6 Milliarden US-Dollar), mit dem ONCF sein Netz bis 2030 modernisiert. Kernstück ist der rund 53 Milliarden Dirham teure Ausbau der 430 Kilometer langen Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Kénitra und Marrakesch, deren Bauarbeiten seit April 2025 laufen und die künftig eine Fahrzeit von etwa zwei Stunden 40 Minuten zwischen Tanger und Marrakesch ermöglichen soll. Hinzu kommen neue Züge im Wert von 29 Milliarden Dirham – darunter 18 Hochgeschwindigkeitszüge des französischen Herstellers Alstom, 40 Intercity-Züge des spanischen Herstellers CAF und 110 Regionalzüge von Hyundai Rotem aus Südkorea – sowie rund 14 Milliarden Dirham für die Modernisierung des Bestandsnetzes und die Elektrifizierung von etwa 600 Streckenkilometern. Der Zeitplan ist kein Zufall: Mit wachsenden Fahrgastzahlen und Großereignissen wie dem Afrika-Cup 2025 sowie der gemeinsam mit Spanien und Portugal ausgerichteten Fußball-Weltmeisterschaft 2030 rechnet ONCF mit deutlich mehr Verkehr auf seinem Streckennetz – und mit entsprechend höheren Anforderungen an Sicherheit und Überwachung.

Quellen: Morocco World News, 7News Morocco, Ecofin Agency

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