BB+ bestätigt: Fitch sieht Marokkos Bonität trotz wachsendem Defizit stabil

Hauptsitz der marokkanischen Zentralbank Bank Al-Maghrib in Rabat

Foto: Rachidourkia, Lizenz CC BY-SA 4.0, Quelle: Wikimedia Commons

Die Ratingagentur Fitch hat Marokkos langfristige Fremdwährungs-Bonität am 17. September mit „BB+“ und stabilem Ausblick bestätigt. Trotz eines wachsenden Haushaltsdefizits und einer Staatsverschuldung deutlich über dem Durchschnitt vergleichbarer Länder sieht die Agentur die Finanzlage des Königreichs insgesamt als stabil an – gestützt vor allem auf solide makroökonomische Politik und eine komfortable Liquiditätsausstattung.

Defizit wächst, Wachstum kühlt sich ab

Fitch rechnet für 2026 mit einem Haushaltsdefizit von 4,0 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, nach 3,5 Prozent im Jahr 2025. Für den Zeitraum 2027 bis 2028 erwartet die Agentur im Schnitt wieder ein etwas niedrigeres Defizit von 3,4 Prozent. Beim Wirtschaftswachstum zeichnet sich eine ähnliche Entwicklung ab: Nach 4,9 Prozent im Jahr 2025 dürfte sich das Tempo 2026 auf 4,0 Prozent verlangsamen, bevor es 2027/2028 im Mittel wieder auf 4,2 Prozent anzieht. Auch die Leistungsbilanz gerät stärker unter Druck: Das Defizit der laufenden Posten soll 2026 auf 3,8 Prozent des BIP steigen, nach 2,5 Prozent im Vorjahr, und sich erst 2027/2028 auf durchschnittlich 2,6 Prozent zurückbilden.

Hohe Schuldenlast bleibt größter Schwachpunkt

Als zentrales Risiko benennt Fitch die Staatsverschuldung, die bis 2028 bei rund 67 Prozent des BIP verharren dürfte – deutlich über dem Median von 51 Prozent, den vergleichbar geratete „BB“-Länder aufweisen. Zusätzliche Unsicherheit bringen laut Fitch die milliardenschweren Infrastrukturausgaben im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 2030 mit sich, die Marokko gemeinsam mit Spanien und Portugal ausrichtet: Kostenüberschreitungen und zusätzliche staatliche Garantien könnten die Schuldenlast weiter erhöhen. Auch soziale Spannungen im Land könnten laut Einschätzung der Agentur den Druck auf höhere Staatsausgaben verstärken. Schwächere Entwicklungs- und Governance-Indikatoren im Vergleich zu anderen Ländern der Ratingklasse sowie die Anfälligkeit der Wirtschaft für Wetterextreme zählt Fitch ebenfalls zu den Belastungsfaktoren.

IWF-Kreditlinie stützt Liquiditätspolster

Auf der Habenseite verweist Fitch auf die Devisenreserven, die Ende 2025 bei 48 Milliarden US-Dollar lagen und zwischen 2026 und 2028 im Schnitt eine Deckung von 5,1 Monatsimporten bieten sollen. Zusätzliche Sicherheit verschafft die im April 2026 vom Internationalen Währungsfonds bewilligte zweite zweijährige flexible Kreditlinie über rund 4,5 Milliarden US-Dollar, die Marokko als vorsorgliches Instrument zur Verfügung steht, ohne dass das Land bislang darauf zurückgegriffen hätte. In der Gesamtschau bescheinigt Fitch Marokko damit ein „relativ günstiges Schuldenprofil“, das die strukturellen Schwächen bei Verschuldung und Leistungsbilanz zumindest teilweise auffängt.

Quellen: Morocco World News, Yabiladi

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