Gasfluss aus Spanien nach Marokko bricht um ein Drittel ein – ONHYM dementiert Restriktion

Karte der Maghreb-Europa-Gaspipeline zwischen Marokko und Spanien über das Mittelmeer

Foto: Sémhur, Lizenz CC BY-SA 4.0, Quelle: Wikimedia Commons

Die Gaslieferungen aus Spanien nach Marokko sind in der vergangenen Woche deutlich eingebrochen: Über die Maghreb-Europa-Pipeline (GME) flossen zuletzt fast ein Drittel weniger Erdgas als üblich. Spanische Medien brachten den Rückgang zunächst mit den diplomatischen Spannungen rund um die Ceuta-Krise in Verbindung – Marokkos Ölbehörde ONHYM widersprach dieser Deutung nun ausdrücklich.

Rückgang um ein Drittel binnen weniger Tage

Normalerweise fließen über die GME-Pipeline zwischen 29 und 31 Gigawattstunden (GWh) Erdgas pro Tag von Spanien nach Marokko. Ab dem 14. August sackte der Wert jedoch spürbar ab: von 30,57 GWh auf rund 20,3 GWh am 18. August, wo sich die Lieferungen anschließend bis zum 23. August einpendelten. Im Schnitt der fünf Tage vom 19. bis 23. August lag die Menge bei etwa 21 GWh – ein Minus von knapp einem Drittel gegenüber dem gewohnten Niveau. Die Entwicklung reiht sich in einen längerfristigen Trend ein: In den ersten sieben Monaten des Jahres 2026 lagen die marokkanischen Gasimporte bereits 13,7 Prozent unter dem Vorjahreswert.

ONHYM: Keine spanische Restriktion, sondern eigene Anpassung

Das Office National des Hydrocarbures et des Mines (ONHYM) stellte klar, der Rückgang resultiere „nicht aus einer Restriktion von spanischer Seite“, sondern aus einer bewussten Anpassung der marokkanischen Gasnominierungen an den eigenen Bedarf. Hintergrund sei eine seit dem 10. August laufende Wartung des Gaskraftwerks Tahaddart, wodurch dessen Gasverbrauch von 33 bis 38 GWh auf nur noch 16 bis 21 GWh pro Tag sank. Gleichzeitig füllten sich die Gasspeicher entlang der Pipeline bis nahe an ihre Kapazitätsgrenze – von rund 49 GWh auf fast 144 GWh –, was den staatlichen Stromversorger ONEE veranlasste, seine täglichen Abnahmemengen schrittweise von 32 auf 16 GWh zu senken. ONHYM bezeichnete dies als „normale Anpassung der Nominierungen an die Bedürfnisse des marokkanischen Stromsystems“ und nicht als Maßnahme Spaniens.

Sensibles Thema inmitten der Ceuta-Spannungen

Der zeitliche Zusammenfall mit der Debatte um die Ceuta-Krise ließ die Zahlen dennoch für Spekulationen sorgen: Nach den Massenüberquerungen der spanischen Exklave Ende Juli hatte der Sender RTVE über einen angeblichen spanischen „Kontingenzplan“ mit möglichen Wirtschaftssanktionen gegen Marokko berichtet – ein Bericht, den die spanische Regierung zurückwies. Madrid betonte, beide Länder pflegten eine enge Zusammenarbeit „in verschiedenen Sektoren, einschließlich des Handels“. Die Episode zeigt gleichwohl, wie sensibel Marokkos Energieversorgung inzwischen wahrgenommen wird: Das Land bezieht sein gesamtes importiertes Erdgas über spanische Terminals, wo Flüssiggas regasifiziert und anschließend über die GME-Pipeline weitergeleitet wird. Zusammen mit direkten Stromimporten aus Spanien deckt diese Verbindung rund ein Viertel des marokkanischen Strombedarfs ab.

Quellen: Morocco World News, La Relève, Morocco World News

Nach oben scrollen