
Foto: Allan Mustard, Lizenz CC BY-SA 4.0, Quelle: Wikimedia Commons
Marokkos Hoffnung auf eigene Erdgasförderung rückt einen Schritt näher: Der britische Explorationskonzern Predator Oil & Gas will innerhalb der kommenden zwei Wochen einen konkreten Bohrbeginn für die neue Bohrung MOU-6 in der Provinz Guercif bekanntgeben. Die zivilbauliche Vorbereitung der Bohrstelle ist bereits abgeschlossen, die für den Bohrbeginn nötige Sprengausrüstung ist an einem marokkanischen Hafen eingetroffen.
Fünfte Bohrung einer seit 2021 laufenden Kampagne
Predator Oil & Gas hält über vier Explorationsblöcke eine 75-Prozent-Beteiligung an der sogenannten Guercif-Lizenz, einem rund 4.301 Quadratkilometer großen Gebiet in der Region L’Oriental im Nordosten Marokkos. Die verbleibenden 25 Prozent liegen beim staatlichen Kohlenwasserstoff- und Bergbauamt ONHYM. Seit 2021 hat das Unternehmen dort bereits mehrere Bohrungen niedergebracht: MOU-1 lieferte den ersten Gasfund, MOU-3 bestätigte 2023 reines biogenes Methangas, MOU-4 wies eine 126 Quadratkilometer große geologische Struktur aus der Jurazeit nach, und MOU-5 wurde Anfang 2025 mit Fokus auf Gas- und Heliumpotenzial abgeteuft. MOU-2 musste 2023 aus operativen Gründen unterbrochen werden. Für MOU-6 kommt nun dieselbe Bohranlage, Rig 101, zum Einsatz, die zuvor bereits bei MOU-5 stand; Betreiber ist die Bohrfirma Intrepid Drilling, vormals Star Valley Drilling. Das Zeitfenster für die Bohrarbeiten läuft nach Unternehmensangaben vom 1. August bis zum 1. Oktober 2026.
CEO: Erfolgreicher Fließtest wäre „Katalysator“ für Verträge
Firmenchef Paul Griffiths bezeichnete einen erfolgreichen Test mit tatsächlichem Kohlenwasserstofffluss als entscheidenden Hebel für das weitere Geschäft: Ein solcher Test sei „der Katalysator für den Abschluss kommerzieller Verträge“. Die geplante Bohrung könne dazu beitragen, „Gas- und Ölvorkommen zu de-risken, die innerhalb eines kurzen Zeitrahmens in eine mögliche Produktion überführt werden könnten“, so Griffiths weiter. Insgesamt zielt das Guercif-Projekt auf fünf biogene Gaszonen in 339 bis 1.500 Metern Tiefe sowie auf die sogenannte Titanosaurus-Struktur, der Predator ein geschätztes P50-Gasvolumen von 5,9 Billionen Kubikfuß sowie zusätzliches Heliumpotenzial zuschreibt. Die aktuelle Verlängerungsphase der Lizenz läuft noch bis zum 5. November 2026, bevor eine weitere, 61-monatige Phase beginnen würde.
Konzern verweist auf solide Finanzbasis aus Trinidad
Finanziell stützt sich Predator Oil & Gas bislang vor allem auf sein Trinidad-Geschäft: Im ersten Halbjahr 2026 erzielte das Unternehmen dort einen Netto-Erdölerlös von 1,52 Millionen Pfund (umgerechnet rund 2,06 Millionen Dollar) aus dem Verkauf von 52.130 Barrel. Parallel zur Vorbereitung von MOU-6 laufen dort weitere Arbeiten an der Bohrung Snowcap-3 sowie an der bereits fördernden Bohrung GY 664, die im August rund 30 bis 32 Barrel pro Tag lieferte. Ein Erfolg in Guercif wäre für Marokko von strategischer Bedeutung: Das Land deckt seinen Erdgasbedarf bislang fast vollständig über Importe aus Spanien, wie zuletzt Schwankungen bei den Lieferungen über die Maghreb-Europa-Pipeline gezeigt haben. Eine eigene, wirtschaftlich nutzbare Gasförderung könnte diese Abhängigkeit langfristig verringern.
Quellen: Morocco World News, Energies Media, Predator Oil & Gas


