Grand Prix in Paris: Architektin Salima Naji für Lehmbau-Zentrum in Tiznit ausgezeichnet

Bab Aglou, historisches Stadttor in der Lehmmauer von Tiznit
Foto: Abdeaitali, Lizenz CC BY-SA 4.0, Quelle: Wikimedia Commons

Die marokkanische Architektin Salima Naji hat den Grand Prix des Design-Preises 2026 des Institut du Monde Arabe (IMA) in Paris gewonnen. Ausgezeichnet wurde ihr Lehmbau-Projekt in Tiznit, ein Interpretationszentrum für das lokale Kulturerbe, das innerhalb der historischen Stadtmauern der südmarokkanischen Stadt entstanden ist. Die Jury verlieh den Preis am 9. September im Rahmen der vierten Ausgabe des Wettbewerbs, bei dem sich Naji unter 26 Einreichungen gegen die Konkurrenz durchsetzte – darunter auch vier weitere marokkanische Finalisten.

Zwanzig Jahre Einsatz für die Architektur der Oasen

Naji, die seit 2004 ein eigenes Büro betreibt und seit 2008 in Tiznit lebt und arbeitet, gilt als eine der profiliertesten Stimmen für den Schutz des ländlichen Bauerbes im Süden Marokkos. Die studierte Architektin promovierte zudem in Sozialanthropologie in Paris und wurde bereits mit der Grande Médaille d’or de l’Académie d’architecture Frankreichs geehrt. In ihren Büchern, darunter „Architecture du bien commun, pour une éthique de la conservation“, setzt sie sich seit Jahren für eine Bauweise ein, die traditionelle Materialien und Techniken mit heutigen Anforderungen an Nachhaltigkeit verbindet. Gegenüber der marokkanischen Nachrichtenagentur MAP zeigte sich Naji „sehr bewegt“ von der Auszeichnung und bezeichnete sie als „Anerkennung für zwanzig Jahre Einsatz“ für ein Kulturerbe mit Zukunftsperspektive. Sie sei stolz darauf, unterschiedliche Bauweisen zusammengeführt und damit auch den beteiligten Handwerkerinnen und Handwerkern Tribut gezollt zu haben.

Lehm, Stein und Tataoui hinter den Mauern von 1810

Das prämierte „Zentrum für lebendiges Kulturerbe“ in Tiznit wurde vollständig in Stampflehmbauweise errichtet und fügt sich in die historischen, aus dem Jahr 1810 stammenden Stadtmauern der Stadt ein. Für den Bau kamen neben Lehm auch Holz, Stein und das traditionelle Flechtwerk Tataoui zum Einsatz, wie es in der Architektur Südmarokkos seit Jahrhunderten verwendet wird. Das Projekt verbindet damit althergebrachte, klimaangepasste Bautechniken mit zeitgenössischer architektonischer Gestaltung. Die Jury des Institut du Monde Arabe würdigte in ihrer Begründung, dass Innovation auch aus dem Verständnis bestehender Materialien und Techniken entstehen könne, denen so eine Zukunft gegeben werde. Das Projekt reaktiviere lokale Materialien und überlieferte Verfahren durch zeitgenössische Architektur, hieß es weiter.

Sichtbarkeit für marokkanisches Kulturerbe in Paris

Die Auszeichnung fällt in eine Zeit, in der Marokko am Institut du Monde Arabe ohnehin besonders präsent ist: Das Land ist Schwerpunktland der aktuellen Kultursaison 2026/2027 der Pariser Institution. Für Naji ist der Grand Prix eine weitere internationale Bestätigung ihrer Arbeit, die sich abseits der großen Touristenzentren auf den Erhalt von Ksours, Speicherburgen und anderen traditionellen Bauten in der Region Souss-Massa konzentriert. Der Preis dürfte der Debatte um den Erhalt von Lehmarchitektur in Marokko, die durch Erosion, Landflucht und den Zuzug moderner Baumaterialien zunehmend unter Druck steht, zusätzliches Gewicht verleihen.

Quellen: Barlamantoday, Le360

Nach oben scrollen