Prix du Livre de la Liberté intérieure: In Kénitra geborener Autor Rachid Benzine ausgezeichnet

Rachid Benzine bei einer Podiumsdiskussion auf einer Buchmesse
Foto: Gérald Garitan, Lizenz CC BY-SA 4.0, Quelle: Wikimedia Commons

Der in Kénitra geborene Schriftsteller und Islamwissenschaftler Rachid Benzine hat den Prix du Livre de la Liberté intérieure 2026 gewonnen. Ausgezeichnet wurde sein Roman „L’homme qui lisait des livres“ (Verlag Julliard), der von einem alten Buchhändler inmitten der Ruinen von Gaza erzählt. Die Übergabe fand am 9. September in der Pariser Buchhandlung La Procure Saint-Sulpice statt, ausgerichtet von der katholischen Fernsehsendung „Le Jour du Seigneur“ (France 2) bereits zum neunten Mal.

Ein Buchhändler zwischen Trümmern und vergilbten Seiten

Benzines schmaler Roman lässt einen französischen Fotografen auf einen alten Buchhändler in Gaza treffen, dessen Leben von Exil, Gefangenschaft, politischer Enttäuschung und Liebe geprägt ist. Ein Jurymitglied beschrieb das Werk als „ein bewegendes Buch, aus dem niemand unversehrt hervorgeht“ und lobte die Literatur als „das einzige Mittel des Überlebens“. Statt drastischer Schilderungen setzt Benzine auf eine zurückhaltende, poetische Sprache, um das Leid hinter den „rauchenden Ruinen Gazas und den vergilbten Buchseiten“ greifbar zu machen, wie es in Rezensionen zum Buch heißt.

Jury aus Gefängnissen entscheidet zum vierten Mal

Was den Literaturpreis von anderen unterscheidet, ist sein Auswahlverfahren: Über 100 Inhaftierte aus 40 französischen Gefängnissen stimmten bereits zum vierten Mal in Folge über den Gewinner ab, zwei Gefängnisseelsorger nahmen an der abschließenden Jurysitzung teil. Den Vorsitz der Jury führte François Cassingena-Trévedy, der Preisträger des Vorjahres. Präsentiert wurde die Verleihung von der Kulturjournalistin Constance de Bonnaventure und Marie-Sophie Goniaux, Leiterin der Pariser Buchhandlung La Procure in Lille.

Vom Kickboxmeister zum gefragten Islamwissenschaftler

Benzine, 1971 in Kénitra geboren, zog im Alter von sieben Jahren mit seiner Familie nach Trappes bei Paris und wurde 1996 sogar französischer Kickbox-Meister, bevor er sich der Wissenschaft und dem Schreiben zuwandte. Als Islamwissenschaftler und Politikwissenschaftler lehrt er seit 2005 am Institut d’études politiques in Aix-en-Provence im Masterprogramm „Religionen und Gesellschaft“ und wurde weit über Frankreich hinaus für seinen interreligiösen Dialog sowie Bücher wie „Le Coran expliqué aux jeunes“ bekannt. Für seinen Einsatz wurde er 2022 sowohl von Marokko mit dem Verdienstorden Ouissam Al Moukafâa Al Wataniya als auch von Frankreich mit dem Nationalen Verdienstorden ausgezeichnet. Mit dem aktuellen Preis reiht sich „L’homme qui lisait des livres“ in eine Reihe vielbeachteter Romane Benzines ein, darunter „Ainsi parlait ma mère“ und „Les Silences des pères“.

Quellen: Hespress, ActuaLitté, Wikipédia

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