
Marokkos Regierung will die Ausfuhr von Lebensmitteln künftig steuern, um die Versorgung im Inland zu sichern und die Preise im Griff zu behalten. Wirtschafts- und Finanzminister Fouzi Lekjaa kündigte das am Freitag im Finanz- und Wirtschaftsausschuss des Repräsentantenhauses an, wo der Haushaltsentwurf 2027 beraten wird.
Sieben Dürrejahre als Argument
Lekjaa begründete den Kurs mit sieben aufeinanderfolgenden Dürrejahren, die das Angebot belasten. Der Staat wolle Exporte regulieren, damit erschwingliche Waren auf dem heimischen Markt bleiben. Zugleich stellte er klar, dass dies keine Rückkehr zum früheren Modell bedeute, das vom ehemaligen Office de Commercialisation et d’Exportation verwaltet wurde. Würden nur einzelne Maßnahmen umgesetzt, warnte der Minister, könne das Zwischenhändler in einem Teil der Lieferkette bündeln. Auch private Unternehmen sollten durch die Reformen nicht geschwächt werden.
Zwölf Großmärkte sollen modernisiert werden
Zum Paket gehören laut Lekjaa eine bessere Exportkontrolle, die Modernisierung der landesweit zwölf Großmärkte sowie eine verbesserte Verteilung von Fleisch und Fisch. Der Staat solle Erzeugungs- und Verbrauchsregionen verbinden, ohne selbst landwirtschaftliche Produkte zu kaufen oder zu verkaufen. Dafür sind regionale Gesellschaften vorgesehen. Die Regierung habe einen Plan für die Großmärkte und sei bereit, darüber mit den Abgeordneten zu sprechen.
Was die Entwurfsunterlagen vorsehen
Nach Informationen von Hespress, die sich auf die Präsentationsunterlage zum Finanzgesetz 2027 stützen, sollen saisonale Versorgungspläne unter anderem Getreide, Kartoffeln, Zwiebeln, Tomaten, Rotfleisch, Sardinen und Olivenöl abdecken. Exportbeschränkungen wären demnach nur bei einer außergewöhnlichen Knappheit zulässig, müssten „temporär und verhältnismäßig“ sein und bestehende Handelsverträge respektieren. Bei einem absehbaren Defizit sollen Importkalender veröffentlicht und Zollsätze gesenkt werden.
Ein nationales Informationssystem soll Preise auf Erzeuger-, Großhandels- und Einzelhandelsebene erfassen und auf auffällige Margensteigerungen hinweisen. Sechs regionale Vertriebsgesellschaften sind in Souss, Tadla, Gharb, Loukkos, Doukkala-Abda und der Oriental-Region geplant. Sie sollen Landwirten und Kooperativen Sammlung, Sortierung, Verpackung, Kühlung und Transport anbieten, ohne als staatlicher Monopolkäufer aufzutreten. Zusätzliche Kühlhäuser sind in Larache, Al Hoceima, Safi, Tan-Tan, Laâyoune und Dakhla vorgesehen. Konkrete Beträge oder Prozentziele nennen die Unterlagen nicht; die Maßnahmen sollen ab dem kommenden Jahr greifen.
Quellen: Morocco World News, Hespress FR


