Arbeitsmarkt unter Druck: Jugendarbeitslosigkeit in Marokko steigt auf 30,5 Prozent

Straße mit Haltestelle des Schnellbussystems in Casablanca (Symbolbild)
Foto: Sharon Hahn Darlin, Lizenz CC BY 2.0, Quelle: Wikimedia Commons

Marokkos Arbeitsmarkt hat im dritten Quartal 2026 deutlich an Schwung verloren: Die Arbeitslosenquote stieg nach Angaben des Hohen Planungskommissariats (HCP) auf 10,5 Prozent – ein Plus von 0,9 Prozentpunkten gegenüber dem zweiten Quartal. Die Zahl der Arbeitslosen wuchs um 103.000 auf 1,224 Millionen. Gleichzeitig ging die Zahl der Erwerbstätigen mit bezahlter Arbeit um 173.000 zurück, ein Quartalsminus von 1,6 Prozent.

Junge Menschen trifft es am härtesten

Den stärksten Anstieg verzeichnete die Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen: Ihre Arbeitslosenquote kletterte von 27,2 auf 30,5 Prozent. Auch bei den 25- bis 34-Jährigen legte sie zu, von 14,5 auf 16 Prozent. Frauen sind mit 16,7 Prozent (zuvor 14,8 Prozent) deutlich stärker betroffen als Männer mit 8,7 Prozent (zuvor 8,1 Prozent). Das Muster, dass Bildung allein keinen Schutz bietet, bleibt bestehen: Menschen mit höheren oder mittleren Abschlüssen kommen auf 18,1 Prozent, Menschen ohne Diplom nur auf 4,7 Prozent.

Zwischen Stadt und Land klafft ebenfalls eine Lücke. In den Städten liegt die Quote bei 12,5 Prozent, auf dem Land bei 6,9 Prozent. Insgesamt zählt der Arbeitsmarkt laut HCP 11,7 Millionen Erwerbspersonen, davon 10,5 Millionen mit bezahlter Beschäftigung.

Große regionale Unterschiede

Die höchsten Arbeitslosenquoten meldet die Region Guelmim-Oued Noun mit 17,2 Prozent, gefolgt von Drâa-Tafilalet (14,7 Prozent), der Oriental-Region (13,7 Prozent) und Casablanca-Settat (13 Prozent). Am besten steht Dakhla-Oued Eddahab mit 4,6 Prozent da, danach folgt Tanger-Tétouan-Al Hoceima mit 6,8 Prozent. Auch die Erwerbsbeteiligung variiert stark: Sie reicht von 30,2 Prozent in Drâa-Tafilalet bis zu 64,7 Prozent in Dakhla-Oued Eddahab.

Ein umfassenderes Bild zeichnet die sogenannte kombinierte Unterauslastung des Arbeitskräftepotenzials. Sie berücksichtigt neben den Arbeitslosen auch Menschen mit unzureichender Arbeitszeit und jene, die potenziell verfügbar wären. Sie beträgt landesweit 19,6 Prozent; bei jungen Menschen liegt sie bei 44,5 Prozent und bei Frauen bei 28,5 Prozent.

Neue Erhebungsmethode

Die Zahlen stammen aus der neuen Arbeitskräfteerhebung des HCP, die die frühere Nationale Beschäftigungserhebung ersetzt und sich an aktualisierten internationalen Standards orientiert. Als arbeitslos gilt demnach, wer mindestens 15 Jahre alt ist, keiner bezahlten Arbeit nachgeht, in den vergangenen vier Wochen aktiv gesucht hat und sofort verfügbar wäre. Im ersten Quartal 2026 hatte die Quote noch bei 10,8 Prozent gelegen; der Wert für das zweite Quartal war zuletzt mit 9,5 Prozent gemeldet worden. Der Vergleich mit Zeiträumen vor der Umstellung ist deshalb nur eingeschränkt möglich.

Quellen: Hespress English, Finances News Hebdo

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