
Die marokkanische Automobilindustrie hat einen weiteren Meilenstein erreicht: In den ersten vier Monaten des Jahres 2026 stiegen die Fahrzeugexporte des Landes um 18,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum und erreichten einen Wert von umgerechnet rund 58,3 Milliarden Dirham. Zusammen mit der Luft- und Raumfahrtindustrie kommt die Automobilbranche inzwischen auf mehr als 40 Prozent der gesamten marokkanischen Exporte – und hat damit den Phosphatsektor, jahrzehntelang das wirtschaftliche Rückgrat des Landes, als wichtigsten Exportzweig abgelöst.
Tragende Säulen der Entwicklung sind die beiden großen Werke von Renault und Stellantis, die zusammen über eine jährliche Produktionskapazität von rund 700.000 Fahrzeugen verfügen. Renault fertigt in Tanger und Casablanca, Stellantis betreibt sein Werk im westlich von Rabat gelegenen Kenitra. Beide Konzerne bauen ihre marokkanischen Standorte derzeit weiter aus: Stellantis kündigte im Sommer 2025 eine Investition von 1,2 Milliarden Euro an, um die Kapazität des Werks in Kenitra bis 2030 von 200.000 auf 535.000 Fahrzeuge pro Jahr zu erhöhen.
Mit dieser Entwicklung hat sich Marokko nach Einschätzung von Branchenbeobachtern zum größten Automobilexporteur des afrikanischen Kontinents entwickelt und zugleich seine Position als wichtigster Nicht-EU-Lieferant von Fahrzeugen für die Europäische Union gefestigt. Ein Großteil der in Marokko gefertigten Fahrzeuge verlässt das Land über die Häfen von Tanger Med und Casablanca in Richtung europäischer und afrikanischer Absatzmärkte.
Die Ansiedlung der Automobilindustrie gilt seit rund anderthalb Jahrzehnten als eines der zentralen Projekte der marokkanischen Industriepolitik, mit dem Ziel, die Wirtschaft des Landes unabhängiger von Rohstoffexporten zu machen und eine breitere industrielle Wertschöpfungskette im Land selbst aufzubauen – von der Zulieferindustrie bis zur Endmontage.
Quelle: Atalayar, Gasgoo, Yabiladi
