
Kaum ein marokkanisches Unternehmen hat weltweit so viel geopolitisches Gewicht wie die OCP Group: Mit rund 70 Prozent der bekannten globalen Phosphatreserven kontrolliert der Staatskonzern eine Schlüsselressource für die weltweite Nahrungsmittelversorgung – und steht damit zugleich vor einem wachsenden Klimadilemma.

Globaler Gatekeeper der Düngemittelversorgung
2024 produzierte die OCP Group rund 12 Millionen Tonnen Düngemittel. Bis Ende 2027 soll die Jahresproduktion im Rahmen eines milliardenschweren Investitionsprogramms auf 20 Millionen Tonnen steigen – allein für 2026 sind rund 5,25 Milliarden US-Dollar an Investitionen vorgesehen. Angesichts der marokkanischen Dominanz bei den globalen Phosphatreserven wächst damit auch die strategische Bedeutung des Konzerns für die weltweite Ernährungssicherheit, die zunehmend als geopolitischer Faktor diskutiert wird.
Kurs auf grünen Ammoniak und erneuerbare Energien
OCP treibt parallel den Umbau hin zu höherwertigen, kohlenstoffärmeren Düngemitteln voran. Geplant ist unter anderem die Produktion von grünem Ammoniak auf Basis von grünem Wasserstoff, ergänzt durch Investitionen in Entsalzungsanlagen und erneuerbare Energien, mit denen der Konzern gleichzeitig zwei zentrale Herausforderungen angehen will: die Wasserknappheit in den Abbauregionen und die Abhängigkeit von fossiler Energie in der energieintensiven Produktion.
Ein Dilemma aus steigender Nachfrage und Klimazielen
Die Kehrseite des Wachstumskurses: Phosphatabbau und Düngemittelproduktion sind sowohl energie- als auch wasserintensiv, und höhere Produktionsmengen bedeuten zunächst auch höhere Emissionen. Marokko steht damit vor einem klassischen Zielkonflikt – der wachsenden globalen Nachfrage nach Düngemitteln für die Ernährungssicherheit gerecht zu werden, während gleichzeitig der eigene ökologische Fußabdruck in einem vom Klimawandel ohnehin zunehmend unter Druck stehenden Land reduziert werden soll.
Quellen: Africa.com, Rio Times, World Economic Forum


