Neuer Innovationsfonds: Marokko lockt Gaming-Studios mit bis zu 3 Millionen Dirham

Hände halten einen Videospiel-Controller
Foto: Vu Hoang, Lizenz CC BY 2.0, Quelle: Wikimedia Commons

Marokko will seine Gaming-Branche mit einem neuen staatlichen Förderprogramm auf ein internationales Niveau heben. Über den Innovationsfonds Tatwir können Videospiel-Entwickler künftig Zuschüsse von bis zu 3 Millionen Dirham für die Produktion marktreifer Titel erhalten – ein Novum für die junge Branche im Land.

Zwei Förderstufen von der Idee bis zum fertigen Spiel

Das Programm ist zweistufig aufgebaut. In der Prototyp-Phase übernimmt der Staat bis zu 70 Prozent der förderfähigen Kosten, gedeckelt bei 1 Million Dirham pro Projekt. Schafft ein Studio den Sprung zur Pilot-Industrialisierung, also der Fertigstellung eines vermarktbaren Spiels, steigt die Förderhöchstsumme auf 3 Millionen Dirham, wobei der Staat dann bis zu 30 Prozent der Kosten übernimmt. Insgesamt stehen für den Aufruf 2026-2028 jährlich 50 Millionen Dirham zur Verfügung, mit denen bis zu 20 Projekte pro Jahr unterstützt werden sollen. Anträge für die laufende Runde 2026 können bis zum 15. Oktober eingereicht werden, förderfähige Ausgaben zählen rückwirkend ab dem 1. Januar.

Kleine Studios und wachstumsstarke Startups im Fokus

Antragsberechtigt sind kleine und mittlere Gaming-Unternehmen, deren Umsatz vor Steuern in den vergangenen zwei Jahren 200 Millionen Dirham nicht überschritten hat. Auch wachstumsstarke Startups ohne diese Umsatzhistorie können teilnehmen, sofern sie strategische Partnerschaften mit größeren, in Marokko eingetragenen Unternehmen nachweisen. Getragen wird das Programm von einer im November 2025 getroffenen Vereinbarung, die den bestehenden Innovationsförderfonds erstmals für die Gaming-Branche geöffnet hat. Koordiniert wird die Umsetzung vom Industrieministerium gemeinsam mit dem Wirtschafts- und dem Kulturministerium sowie der Mittelstandsförderagentur Maroc PME und dem Arbeitgeberverband CGEM.

Ambitionierte Ziele für eine junge Branche

Mit dem Programm will Marokko seine Position als regionaler Standort für die Videospiel-Industrie ausbauen. Das Land hatte in den vergangenen Jahren bereits mit einer eigenen Gaming-Expo in Rabat und dem Zugang von Gaming-Startups zu Garantien der Finanzierungsagentur Tamwilcom Akzente gesetzt. Ziel ist es laut Branchenvertretern, die jährlichen Einnahmen der heimischen Gaming-Industrie von derzeit rund 200 Millionen US-Dollar deutlich zu steigern und mittelfristig auch die Entstehung erster marokkanischer Gaming-„Einhörner“ – also Startups mit einer Bewertung von über einer Milliarde US-Dollar – zu ermöglichen. Damit reiht sich die Förderung in eine Reihe staatlicher Initiativen ein, mit denen Marokko in den vergangenen Jahren gezielt digitale Zukunftsbranchen wie Fintech und Künstliche Intelligenz gefördert hat.

Quellen: Hespress English, Ministère de l’Industrie et du Commerce, Yabiladi

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