„Nicht mal ein paar Meter weit“: Lachgar attackiert Benkirane – USFP peilt Top 3 an

USFP-Politiker bei einer Sitzung, im Zentrum Generalsekretär Driss Lachgar
Foto: Magharebia, Lizenz CC BY 2.0, Quelle: Wikimedia Commons

Sieben Tage vor der marokkanischen Parlamentswahl hat sich der Ton zwischen zwei der wahlkampfstärksten Parteiführer weiter verschärft. USFP-Generalsekretär Driss Lachgar griff PJD-Chef Abdelilah Benkirane am Freitag in einem Interview persönlich an – und erklärte zugleich, seine Partei ziele bei der Wahl am 23. September auf einen Platz unter den drei stärksten Kräften.

„Nicht einmal ein paar Meter weit zu begleiten“

In der Hespress-Sendung „La voie vers les élections 2026“ beschrieb Lachgar Benkirane als unberechenbar und in seinen Positionen widersprüchlich. Der PJD-Chef sei jemand, „den man nicht einmal ein paar Meter weit begleiten“ könne, sagte Lachgar laut Hespress. Benkirane äußere sich „mal so, mal so“ und riskiere mit seiner Wortwahl, sich strafrechtliche Konsequenzen einzuhandeln. Lachgar verwies dabei auf Beleidigungen, die Benkirane ihm in der Vergangenheit entgegengeschleudert habe – darunter die Begriffe „Bandit“ und „Verräter“.

Der Schlagabtausch reiht sich in eine Reihe wachsender Spannungen zwischen den beiden Politikern ein. Erst am Vortag hatte Lachgar öffentlich ein mögliches Bündnis der USFP mit der PJD nach der Wahl ausgeschlossen. Zuvor hatte er bei einem Wahlkampfauftakt bereits die PJD-Minister der scheidenden Regierungsmehrheit für angebliche Effekthascherei kritisiert und ihnen vorgeworfen, „mutige Positionen“ würden nicht durch Inszenierung und lautes Auftreten, sondern durch ernsthafte tägliche Arbeit sichtbar.

USFP will aus dem Mittelfeld ausbrechen

Über die Attacke auf Benkirane hinaus formulierte Lachgar konkrete Ambitionen für den eigenen Wahlausgang. Anders als bei den Wahlen 2016 und 2021, als die USFP im Mittelfeld der Parteienlandschaft verblieb, gebe es diesmal „erste Indikatoren“, wonach die Partei unter die drei stärksten Kräfte vorstoßen könne, so Lachgar. Konkrete Zahlen oder Umfragedaten nannte er nicht.

Auch zur Konkurrenz aus dem bürgerlichen Lager äußerte sich der USFP-Chef: PAM-Generalsekretär Fouzi Lekjaa attestierte er zwar fachliche Kompetenz, beanspruchte für sich selbst jedoch mehr politische Erfahrung. Die derzeitige Zuspitzung des Wahlkampfs auf ein Duell zwischen PAM und RNI bezeichnete Lachgar als „künstliche Bipolarisierung“ und warf der scheidenden Regierung vor, den erwirtschafteten Wohlstand einseitig verteilt zu haben.

Mit noch gut einer Woche bis zur Stimmabgabe am 23. September dürfte sich der Ton zwischen den Spitzenkandidaten weiter zuspitzen. Beobachter werten die zunehmend persönlich geführten Auseinandersetzungen auch als Zeichen dafür, wie offen der Ausgang des Rennens um die 395 Sitze im Abgeordnetenhaus derzeit eingeschätzt wird. Ob sich Lachgars Zuversicht am Wahltag bestätigt, bleibt abzuwarten – belastbare, unabhängige Umfragedaten zur Sitzverteilung liegen für Marokko traditionell kaum vor.

Quellen: Hespress, Le360

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