Saudi-Fenster zu, kein Deal: Talbi bleibt in Sunderland – aber ohne Platz im Europa-League-Kader

Chemsdine Talbi im roten Trikot der marokkanischen Nationalmannschaft beim Testspiel gegen Paraguay in Lens
Foto: Abdelali Bentarki, Lizenz CC BY 4.0, Quelle: Wikimedia Commons

Der Wechselpoker um Chemsdine Talbi ist vorerst beendet – ohne Transfer. Der marokkanische Nationalspieler bleibt beim AFC Sunderland, nachdem am Sonntag auch das saudische Transferfenster geschlossen hat, ohne dass Al-Ittihad den 21-jährigen Flügelspieler verpflichtet hat. Zuvor war bereits am Freitag die Frist in der Türkei abgelaufen, wo Fenerbahçe und Galatasaray als Interessenten gehandelt worden waren. Für Talbi bedeutet das eine kuriose Situation: Er ist weiter Spieler des Premier-League-Klubs, steht aber nicht im Kader für die Ligaphase der Europa League.

Sky-Sports-Meldung löste die Wechselgerüchte aus

Ins Rollen gebracht hatte die Geschichte Sky-Sports-Reporter Keith Downie, der Anfang September von Gesprächen zwischen Al-Ittihad und Sunderland berichtete. Weil das englische Fenster bereits am 1. September geschlossen hatte, konnte Talbi nur noch in Ligen wechseln, deren Transferperiode noch lief – Saudi-Arabien und die Türkei kamen infrage. Sunderland zog daraus Konsequenzen und strich den Marokkaner aus der 22-köpfigen A-Liste für die Europa League. Laut Sunderland Echo wollte der Klub nicht riskieren, einen Kaderplatz zu verlieren, falls Talbi noch abgegeben würde. Über die B-Liste für junge Spieler kann er nicht nachgemeldet werden, weil er noch keine zwei Jahre im Verein ist.

Trainer Régis Le Bris bestätigte die Lage offen. „Ja, ein Wechsel bleibt möglich, deshalb ist es wichtig, beide Seiten zu respektieren“, sagte der Franzose vor dem Spiel bei Brentford. Er glaube, dass Talbi in Sunderland Erfolg haben könne, „aber danach ist es eine Frage des Vertrauens, und man muss die Entscheidung des Spielers respektieren“. Nach dem 1:1 bei Brentford am Samstag, bei dem Talbi erneut fehlte, erklärte Le Bris, man habe „unnötige Risiken“ vermeiden wollen.

Al-Ittihad geht ohne Rechtsaußen aus dem Fenster

Dass es am Ende nicht zum Wechsel nach Dschidda kam, deutete sich bereits vor dem Wochenende an. Der Journalist Ben Jacobs berichtete, ein Transfer zu Al-Ittihad sei nicht mehr zu erwarten. Der saudische Klub hatte nach dem Abgang von Moussa Diaby zu Bayer Leverkusen dringend einen rechten Flügelspieler gesucht und zunächst Anis Hadj Moussa von Feyenoord im Visier gehabt, ehe Talbi als Alternative auftauchte. Laut Arab News scheiterte der Hadj-Moussa-Deal an fehlenden Bankgarantien, am Deadline Day blieb Al-Ittihad nur die ablösefreie Verpflichtung von Georginio Wijnaldum. Die Position auf dem rechten Flügel bleibt bis zum Winter unbesetzt.

Schwieriger Saisonstart nach dem WM-Sommer

Talbi war im Sommer 2025 für rund 21 Millionen Euro plus Boni von Club Brügge nach Sunderland gewechselt und hatte in seiner ersten Premier-League-Saison vier Tore in 28 Ligaspielen erzielt – die Saison endete für den Aufsteiger mit der Qualifikation für die Europa League. Diese Saison ist er unter Le Bris allerdings ins Hintertreffen geraten: Gegen Ipswich kam er nur für die letzte halbe Stunde, gegen Fulham blieb er ohne Einsatz. Mit Malick Fofana, Nilson Angulo und Romaine Mundle hat der Klub auf den Außenbahnen zudem neue Konkurrenz verpflichtet.

Sein Vertrag in Sunderland läuft bis 2030, ein Abschied ist damit frühestens im Winter wieder ein Thema – dann öffnen auch die Fenster in Saudi-Arabien und der Türkei erneut. Aus Sicht der marokkanischen Nationalmannschaft, mit der Talbi im Sommer bei der WM in Nordamerika im Kader stand, ist die Situation wenig erfreulich: Der Flügelspieler kämpft in den kommenden Wochen um Spielzeit in einem Klub, in dem er zumindest international nicht eingeplant ist. Sunderland kann ihn erst zur K.-o.-Phase der Europa League nachmelden, sollte das Team die Ligaphase überstehen.

Quellen: Sunderland Echo, Sunderland Echo (Le Bris), Keith Downie / Sky Sports auf X, Arab News, Morocco World News, GhanaSoccernet

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