100.000 Tonnen pro Jahr: Schweizer Firma Synhelion besiegelt Solarkraftstoff-Werk in Tan-Tan

Solarturm des Noor-III-Kraftwerks bei Ouarzazate im Gegenlicht der Sonne (Symbolbild)
Foto: Marc Lacoste, Lizenz CC BY-SA 4.0, Quelle: Wikimedia Commons

Ein Schweizer Cleantech-Unternehmen macht in Marokko einen konkreten Schritt vom Konzept zur Baureife: Synhelion hat mit der marokkanischen Regierung eine Grundsatzvereinbarung (MoU) für den Bau einer großindustriellen Anlage zur Herstellung von synthetischem Solarkraftstoff in der Provinz Tan-Tan unterzeichnet. Die Fabrik soll jährlich rund 100.000 Tonnen erneuerbaren Kraftstoff produzieren – darunter nachhaltiges Flugbenzin, Diesel und Benzin, die sich ohne Motorumbauten als Ersatz für fossile Kraftstoffe einsetzen lassen.

Standort in der Region Guelmim-Oued Noun steht fest

Unterzeichnet wurde die Vereinbarung zwischen Synhelion und mehreren marokkanischen Institutionen: dem Industrie- und Handelsministerium, dem Ministerium für Energiewende und nachhaltige Entwicklung sowie dem Ministerium für Investitionen, Konvergenz und Bewertung öffentlicher Politiken, gemeinsam mit der staatlichen Investitions- und Exportförderagentur AMDIE. Als Standort ist ein Grundstück in der Provinz Tan-Tan im Süden Marokkos reserviert. Synhelion hat dafür bereits eine lokale Tochtergesellschaft, Synhelion Morocco, gegründet, die den Status der Casablanca Finance City erhalten hat. Marokkos Investitionsminister Karim Zidane erklärte laut Yabiladi, das Projekt könne „neue Wertschöpfungsketten entwickeln, lokale wirtschaftliche Chancen schaffen und Marokkos Position als wettbewerbsfähiger Standort für grüne Industrie stärken“.

Vom Davos-Pitch zur Milliarden-Investition

Die Wurzeln des Projekts reichen zurück bis Januar 2025, als Synhelion sein Vorhaben beim Weltwirtschaftsforum in Davos erstmals Minister Zidane vorstellte. Mit einem geplanten Investitionsvolumen von rund einer Milliarde US-Dollar zählt die Anlage zu den größeren grünen Industrieprojekten, die zuletzt in Marokko angekündigt wurden. Synhelion selbst ist eine 2016 gegründete Ausgründung der ETH Zürich, beschäftigt mittlerweile mehr als 70 Mitarbeitende und hat rund 100 Millionen Schweizer Franken an Finanzierung eingesammelt. Seit 2024 betreibt das Unternehmen in Deutschland mit der Anlage „DAWN“ bereits seine erste industrielle Produktionsstätte; langfristig peilt Synhelion eine Jahresproduktion von einer Million Tonnen Kraftstoff an.

Warum Marokko als Standort gewählt wurde

Synhelion-Mitgründer und Co-CEO Gianluca Ambrosetti begründete die Standortwahl mit den natürlichen Voraussetzungen des Königreichs: „Marokkos außergewöhnliche Ressourcen an erneuerbaren Energien und seine klare Industriestrategie machen das Land zu einem idealen Standort.“ Die von Synhelion entwickelte „Sun-to-Liquid“-Technologie nutzt konzentrierte Sonnenwärme sowie biogene Reststoffe, um synthetische Kraftstoffe herzustellen, die die Netto-CO2-Emissionen gegenüber fossilen Alternativen um bis zu 100 Prozent senken sollen. Ein konkreter Zeitplan für Bau und Produktionsstart wurde bislang nicht genannt. Für Marokko reiht sich das Vorhaben in eine wachsende Zahl von Projekten zur Nutzung der Sonnenenergie ein, zu denen unter anderem die bestehenden Noor-Solarkraftwerke bei Ouarzazate zählen.

Quellen: Morocco World News, Yabiladi, Africa Energy Portal

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