
Frankreich wird in der Saison 2026/27 voraussichtlich weniger Weichweizen nach Marokko liefern als im Vorjahr. Das berichtet Morocco World News unter Berufung auf Branchenvertreter. Hauptgrund sind die besseren Regenfälle, die Marokkos heimische Ernte gestärkt haben.
2,5 statt 3,5 Millionen Tonnen
Im Wirtschaftsjahr 2025/26 exportierte Frankreich nach Angaben der Branche rund 3,5 Millionen Tonnen Weichweizen nach Marokko. Für den Zeitraum von September 2026 bis Mai 2027 werden nun etwa 2,5 Millionen Tonnen erwartet. Seit Anfang Oktober hat Frankreich bereits 600.000 Tonnen geliefert. Die französische Gesamternte 2026 beziffert die Branche auf 32 Millionen Tonnen.
Philippe Heusel, internationaler Präsident des französischen Getreideverbands Intercéréales, betonte, Frankreich verfüge über „ausreichende Vorräte, um Marokkos Bedarf ohne Hindernisse zu decken“, auch wenn die Liefermengen sinken dürften.
Importpause stützte heimische Landwirte
Marokko hatte ab dem 1. Juni einen dreimonatigen Importstopp für Weichweizen verhängt, damit heimische Landwirte ihre Ernte absetzen und Bestände aufbauen konnten. Am 16. September wurden die Einfuhren wieder aufgenommen, nachdem die lokalen Lagerbestände aufgebraucht waren. Dank der ergiebigen Niederschläge der vergangenen Saison fällt der Importbedarf insgesamt geringer aus als in den Dürrejahren zuvor.
Sorge um Schwarzmeer-Region und hohe Preise
Die Mühlenbranche blickt dennoch mit Sorge auf den Weltmarkt. Der Präsident des marokkanischen Mühlenverbands verwies auf die Instabilität im Schwarzmeerraum sowie auf hohe Weltmarktpreise, die auch durch starke europäische Nachfrage getrieben würden. Er forderte eine Lösung für die Lage im Schwarzen Meer, „damit der Markt wieder ein gewisses Maß an Ruhe und Stabilität findet“.
Für Marokko bleibt Weichweizen ein strategisches Gut: Das Land deckt seinen Bedarf in schwächeren Erntejahren zu einem erheblichen Teil über Importe und diversifiziert seine Lieferanten. Wie stark die Einfuhren aus Frankreich tatsächlich zurückgehen, hängt von der weiteren Preisentwicklung und der Lage an den Schwarzmeerhäfen ab.
Quellen: Morocco World News


