2.118 Bewerbungen, 1.200 Talente pro Jahr: Marokko baut KI-Ausbildungsprogramm „Génération AIoT“ aus

Digitalministerin Amal El Fallah Seghrouchni bei einer Pressekonferenz
Foto: Web Summit, Lizenz CC BY 2.0, Quelle: Wikimedia Commons

Sechs Monate nach seinem Start weitet Marokko sein nationales Ausbildungsprogramm für Künstliche Intelligenz und Internet der Dinge, „Génération AIoT“, auf vier weitere Städte aus. Nach den Pilotstandorten Salé und Casablanca kommen nun Fès und Oujda hinzu, wie das Ministerium für digitalen Übergang und Verwaltungsreform mitteilte. Ziel des im Februar 2026 gestarteten Programms ist es, junge Marokkanerinnen und Marokkaner in Bereichen wie Agentic AI, Physical AI, Robotik und IoT auszubilden und direkt in Praxisprojekte aus Industrie, Gesundheitswesen, Bergbau, Finanzwesen und Logistik einzubinden.

Über 2.100 Bewerbungen für 95 Plätze

Die Nachfrage übersteigt die Kapazitäten deutlich: Seit dem Start gingen mehr als 2.118 Bewerbungen ein, derzeit durchlaufen 95 Talente das Programm in Salé und Casablanca. Die erste Kohorte in Salé mit 46 Teilnehmenden schloss ihre viermonatige Spezialisierung bereits am 24. Juni ab und wechselte vollständig in die praktische Projektphase. Mit der Ausweitung sind für Casablanca künftig drei, für Fès und Oujda je zwei Jahrgänge vorgesehen. Bis Februar 2027 soll die jährliche Ausbildungskapazität auf 1.200 Talente steigen, mittelfristig peilt die Regierung im Rahmen der Strategie „Maroc Digital 2030“ sogar 20.000 AIoT-Absolventinnen und -Absolventen sowie ein Ausbildungsnetz in zwölf Regionen an.

Ministerin und Industriepartner betonen digitale Souveränität

Amal El Fallah Seghrouchni, Ministerin beim Regierungschef für digitalen Übergang und Verwaltungsreform, besuchte das Zentrum in Salé, um den Fortschritt des Programms zu begutachten. Zur strategischen Ausrichtung erklärte sie: „Für Marokko beruht strategische Autonomie auf der Fähigkeit, fundierte Entscheidungen zu treffen“, und ergänzte, quelloffene Software spiele dabei eine wesentliche Rolle, da sie Transparenz stärke. Amer Benouda, Vizepräsident des Industriepartners ABA Technology, betonte den fachübergreifenden Ansatz des Programms: Für jedes Projekt müsse ein Team gefunden werden, das verschiedene Disziplinen zusammenbringe. Neben dem Digitalministerium und ABA Technology zählt auch die Mohammed-V-Stiftung für Solidarität zu den Trägern des Programms.

Teil einer breiteren KI-Strategie

„Génération AIoT“ reiht sich in eine Reihe staatlicher Initiativen ein, mit denen Marokko seine digitale Wettbewerbsfähigkeit ausbauen will. Die Strategie „Maroc Digital 2030“ sieht unter anderem vor, jährlich rund 100.000 Fachkräfte für digitale Berufe auszubilden. Beobachter werten das Ausbildungsprogramm als Versuch, dem wachsenden Bedarf an KI- und IoT-Kompetenzen in Schlüsselbranchen wie Industrie, Gesundheitswesen und Logistik frühzeitig zu begegnen und gleichzeitig jungen Menschen abseits der großen Wirtschaftszentren eine Perspektive im Technologiesektor zu eröffnen. Ob die ambitionierten Ausbauziele bis 2027 und 2030 erreicht werden, dürfte sich an der Fähigkeit zeigen, in kurzer Zeit ausreichend qualifizierte Ausbilder und Praxispartner in den neuen Standorten Fès und Oujda zu gewinnen.

Quellen: 7news Morocco, Hespress Français

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