
Die Afrikanische Entwicklungsbank (AfDB) hat 205 Millionen Euro für den Ausbau von Marokkos Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Kénitra und Marrakesch bewilligt. Das Projekt PADIF soll die Kapazität und Betriebsleistung des zentralen Bahnkorridors deutlich steigern und ist Teil der langfristigen Strategie „Rail 2040“.
Neue Ausrüstung für Kénitra–Marrakesch und Casablanca
Die Finanzierung fließt in moderne Ausrüstung für den Korridor Kénitra–Marrakesch sowie den Bahnknoten Casablanca, darunter neue Schienen und Gleiskomponenten sowohl für den klassischen als auch für den Hochgeschwindigkeitsverkehr. Ziel ist es, Engpässe auf einer der meistbefahrenen Strecken des Landes zu beseitigen und die Zuverlässigkeit des Netzes zu erhöhen, das seit der Eröffnung der ersten afrikanischen Hochgeschwindigkeitslinie 2018 zwischen Tanger und Casablanca stetig gewachsen ist.
„Rail 2040“: 1.500 Kilometer neue Schnellstrecken
Das Projekt reiht sich in Marokkos „Rail 2040“-Plan ein, der rund 1.500 Kilometer neue Hochgeschwindigkeitsstrecken vorsieht. Offizielle Stellen positionieren das Schienennetz als Schlüsselelement, um Logistikkosten zu senken und Marokkos Rolle als Drehscheibe zwischen Europa und Afrika zu festigen. Machbarkeitsstudien für eine Verlängerung der Schnellstrecke bis Agadir (240 Kilometer) sind bereits abgeschlossen; sie würde die Fahrzeit zwischen Marrakesch und Agadir auf rund eine Stunde verkürzen.
Teil eines Milliarden-Investitionsprogramms
Die Bahnoffensive ist eingebettet in ein noch größeres Investitionspaket: Marokko plant, umgerechnet rund 3,1 Milliarden Dollar in Hochgeschwindigkeitsbahn, Flughäfen und Logistikzentren zu investieren. Hinzu kommt ein separates, mehrphasiges Autobahnprogramm über 1.649 Kilometer, das Rabat und Casablanca mit Tanger, Fès und Marrakesch verbinden soll und bis 2035 mit umgerechnet rund 61,9 Milliarden Dollar veranschlagt ist. Beobachter werten die Investitionen auch als direkte Vorbereitung auf die gemeinsam mit Spanien und Portugal ausgerichtete Fußball-Weltmeisterschaft 2030, für die ein reibungsloser Transport zwischen den Austragungsstädten entscheidend sein wird.
Quellen: Morocco World News, African Development Bank
Update vom 19. September: Darlehen unterzeichnet, Gesamtsumme auf 405 Millionen Euro gestiegen
Am 17. September 2026 haben Marokko und die Afrikanische Entwicklungsbank in Rabat die entsprechenden Kreditverträge offiziell unterzeichnet – und dabei die Finanzierung deutlich ausgeweitet. Zu den 205 Millionen Euro für das Bahnprojekt PADIF zwischen Kénitra und Marrakesch kommt ein zweites Darlehen über 200 Millionen Euro für das Programm „Cap Compétences 2030″ hinzu, das über fünf Jahre rund 260.000 junge Menschen ohne Abschluss durch Berufsausbildung, digitalisierte Dienstleistungen und bessere Arbeitsmarktintegration erreichen soll – mit besonderem Fokus auf Jugendliche und Frauen. Insgesamt beläuft sich das Finanzierungspaket damit auf 405 Millionen Euro.
Unterzeichnet wurde auf marokkanischer Seite von Fouzi Lekjaa, Minister-Delegierter für den Haushalt, sowie Younes Sekkouri, Minister für wirtschaftliche Eingliederung, und Mohamed Rabie Khlie, Generaldirektor der Bahngesellschaft ONCF. Für die AfDB unterschrieb deren Ländervertreter Achraf Tarsim. Lekjaa bezeichnete die Hochgeschwindigkeitsbahn als „Grund zum Stolz für Marokko“, Tarsim erklärte, die Projekte würden „mehr Chancen, Arbeitsplätze und nachhaltiges Wachstum schaffen“. Die AfDB verweist auf eine seit 1978 bestehende Partnerschaft mit Marokko, in deren Rahmen bislang über 15 Milliarden Euro in mehr als 150 Projekte geflossen sind.
Update-Quellen: Hespress English, Yabiladi


