
Nach sieben Dürrejahren in Folge hat Marokko Anfang 2026 offiziell das Ende der Trockenperiode verkündet – ergiebige Regen- und Schneefälle füllten Stauseen und Grundwasserleiter wieder auf. Doch Experten warnen: Die Wasserkrise des Königreichs ist damit keineswegs gelöst, sondern tritt in eine neue, unberechenbarere Phase ein.
Von der Dürre zur Überschwemmung
Die Kehrseite der Regenfälle zeigte sich rasch: Sturzfluten und Erdrutsche beschädigten Straßen, Häuser und Ackerland in mehreren Regionen. Klimaforscher sehen darin ein Muster, das Marokko künftig häufiger erleben dürfte – Dürreperioden werden intensiver und länger, während einzelne Regenereignisse gewalttätiger ausfallen. Für Landwirtschaft, Städte und die wachsende Tourismusbranche bedeutet das: Wasser bleibt eine knappe und volatile Ressource, ungeachtet einzelner guter Regenjahre.
60 Prozent aus Entsalzung bis 2030
Die Regierung setzt deshalb strategisch auf Meerwasserentsalzung als Rückgrat der künftigen Trinkwasserversorgung. Ziel ist es, bis 2030 rund 60 Prozent des Trinkwasserbedarfs über Entsalzungsanlagen zu decken – ein ambitionierter Sprung, der Oberflächenwasser für die Landwirtschaft und wasserärmere Binnenregionen freisetzen soll. Parallel investiert der Staat in die Sanierung bestehender Staudämme, in Wasserwiederverwendung sowie in überregionale Wassertransfers zwischen Flusseinzugsgebieten, um Engpässe auszugleichen.
Wachsender Druck durch Städte und Tourismus
Verschärft wird die Lage durch steigende Nachfrage: Wachsende Städte, ein boomender Tourismussektor und exportorientierte Bewässerungslandwirtschaft konkurrieren zunehmend um dieselben Fluss- und Grundwasserressourcen. Internationale Geber hatten Anfang August bereits 347 Millionen Euro zur Unterstützung von Marokkos neuer Wasserstrategie zugesagt – ein Signal, dass auch außerhalb des Königreichs erkannt wird, wie zentral eine stabile Wasserversorgung für Marokkos wirtschaftliche und soziale Entwicklung ist.
Quellen: Fanack Water


