350 Megawatt Solarstrom: Marokko startet Ausschreibung „Noor PV Multisites“

Solarkraftwerk Noor bei Ouarzazate mit Parabolrinnen-Feldern in der Wüste (Symbolbild)
Foto: Richard Allaway, Lizenz CC BY 2.0, Quelle: Wikimedia Commons

Marokko legt beim Ausbau der Solarenergie nach: Mit dem Programm „Noor PV Multisites“ sollen mindestens 350 Megawatt Photovoltaik-Leistung entstehen. Die Präqualifizierung für interessierte Bauunternehmen und Konsortien läuft bereits, Bewerbungen sind bis zum 30. November 2026 möglich.

Vier bis sechs Anlagen in fünf Regionen

Nach Angaben von Fachportalen sind vier bis sechs Freiflächenanlagen mit jeweils 40 bis 170 Megawatt geplant. Standorte sind fünf Regionen: Casablanca-Settat, Béni Mellal-Khénifra, Marrakesch-Safi, Souss-Massa und Guelmim-Oued Noun. Die Verteilung auf mehrere Landesteile soll die Stromerzeugung breiter streuen und die Netze entlasten.

Als Auftraggeber tritt eine Projektgesellschaft auf, die von einer Tochter der staatlichen Energieagentur Masen gegründet wird. Sie soll 25- bis 30-jährige Stromabnahmeverträge mit dem nationalen Strom- und Wasserversorger ONEE abschließen. Solche langen Laufzeiten gelten als wichtige Sicherheit für Investoren und Banken, die die Anlagen finanzieren.

Zweistufiges Vergabeverfahren

Das Verfahren läuft in zwei Stufen. Zunächst prüfen die Behörden die finanzielle Stärke, die technische Erfahrung und die Fähigkeit der Bewerber, Projekte dieser Größenordnung umzusetzen. Wer die Präqualifizierung besteht, reicht anschließend detaillierte technische und kommerzielle Angebote ein. Diese umfassen den Bau der Anlagen (EPC) ebenso wie den langfristigen Betrieb und die Wartung.

Der Zeitplan ist ehrgeizig: Die Ausschreibungsunterlagen sollen Ende 2026 oder Anfang 2027 folgen, die endgültigen Gebote bis März 2027 vorliegen. Der Baubeginn ist vorläufig für das zweite Quartal 2027 vorgesehen. Nach etwa 18 Monaten Bauzeit könnten die Kraftwerke Ende 2028 oder Anfang 2029 ans Netz gehen – abhängig vom Projektverlauf. Zur Investitionssumme und zur Finanzierung machen die bislang veröffentlichten Informationen keine Angaben.

Baustein der Energiestrategie bis 2030

Das Programm fügt sich in Marokkos Ziel, den Anteil erneuerbarer Energien an der installierten Stromerzeugungskapazität bis 2030 auf 52 Prozent zu erhöhen. Erst im Sommer hatte Masen ein neues Wind- und Solarprogramm mit 1,7 Gigawatt angekündigt, im September startete die Agentur zudem eine landesweite Solarmesskampagne an zwölf Standorten. Der Name „Noor“ knüpft an den gleichnamigen Solarkomplex bei Ouarzazate an, der seit Jahren als Aushängeschild der marokkanischen Solarstrategie gilt.

Für Anbieter aus dem In- und Ausland bietet die Ausschreibung einen der größten anstehenden Photovoltaik-Aufträge in Nordafrika. Ob sich ausreichend Bewerber finden, wird sich nach Ablauf der Frist Ende November zeigen.

Quellen: SolarQuarter, pv magazine

Nach oben scrollen